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/ 22.06.2013
Manfred Lahnstein

Die asiatische Herausforderung

Hamburg: Hoffmann und Campe 2012; 352 S.; geb., 22,99 €; ISBN 978-3-455-50269-5
Lahnstein, ehemaliger Staatssekretär, Chef des Bundeskanzleramts und 1982 Finanzminister unter Helmut Schmidt, fordert, „Asien [...] ernst zu nehmen“, da wir als Deutsche und Europäer die Asiaten bislang nur „mit einem Gefühl der sicheren Überlegenheit behandelt haben, während diese uns mit einer Mischung aus Minderwertigkeitsgefühl und verletztem Stolz entgegengetreten sind“ (46 f.). Ein einheitliches Auftreten der Europäischen Union gegenüber den aufstrebenden asiatischen Staaten und eine Beschleunigung des europäischen Integrationsprozesses seien aber Grundvoraussetzungen, um dem aufstrebenden Asien zukünftig auf Augenhöhe begegnen zu können – andernfalls gerate Europa in eine dauerhafte Unterlegenheit und werde „zwischen den Vereinigten Staaten und den asiatischen Großmächten zerrieben und an den Rand des Weltgeschehens gedrückt“ (47). Multidimensional und sehr verständlich werden politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umstände in Japan, China, Indien und im gesamten südostasiatischen Raum analysiert. Im Falle Japans beschreibt der Autor beispielsweise das Dilemma zwischen Artikel 9 der Verfassung, der dem Land den Aufbau regulärer Streitkräfte verbietet, einem 58 Milliarden US-Dollar umfassenden Verteidigungshaushalt und möglichen Bedrohungsszenarien durch asiatische Nachbarstaaten, vor allem Nordkorea. Mit Blick auf China widerspricht er der häufig vorgebrachten These, Wirtschaftswachstum und steigende berufliche Qualifikation der Bevölkerung setze langfristig Demokratisierungsprozesse in Kraft; diese Aussage lasse sich bisher nicht empirisch belegen. Der wachsende Wohlstand könne im autoritär regierten China vielmehr „zu einer rüden Ellenbogengesellschaft führen“ (43). Allerdings wird auch prognostiziert, dass „das China von morgen sich nicht mehr lange zentralistisch-autoritär [wird] regieren lassen“ (181). Daher könnten sich die gesellschaftlichen und innenpolitischen Spannungen möglicherweise schon innerhalb der nächsten Jahre mit ungewissen Konsequenzen entladen. Abschließend hält Lahnstein jedoch fest, er sehe trotz einiger Hindernisse und Gefahren in Asien und Europa „dem ‚asiatischen Jahrhundert’ mit einiger Zuversicht entgegen“ (341).
Stefan Müller (SMÜ)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 2.682.24.43 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Manfred Lahnstein: Die asiatische Herausforderung Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35628-die-asiatische-herausforderung_42994, veröffentlicht am 15.11.2012. Buch-Nr.: 42994 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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