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/ 04.06.2013
Inge Schwammel

Deutschlands Aufstieg zur Großmacht. Die Instrumentalisierung der europäischen Integration 1974-1994

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 317); 335 S.; brosch., 89,- DM; ISBN 3-631-30432-3
Diss. Wien; Erstgutachter: H. Schneider. - Die Autorin versucht aufzuzeigen, daß die sozial-liberale sowie die christlich-liberale Bundesregierung den europäischen Integrationsprozeß - und hier vor allem die EG/EU - in erster Linie als Mittel zur Wahrnehmung nationaler Interessen instrumentalisiert haben, ohne sich in dem von den Partnerstaaten gewünschten Maße durch die Integration einbinden zu lassen. "Die politischen Führungen der Bundesrepublik Deutschland [...] instrumentalisierten die europäische Integration für den Aufstieg der Bundesrepublik zur europäischen Groß- bzw. Hegemonialmacht, die die Bundesrepublik spätestens mit Vollendung der deutschen Einheit zweifellos geworden ist." (16) "Die Bundesregierung ist gewillt und fähig, nationale Anliegen zu verfolgen, auch wenn dies den Interessen der Europäischen Union zuwiderläuft oder mit der Nicht-Beachtung vertraglicher Verpflichtungen verbunden ist; Sanktionen oder sonstige unliebsame Konsequenzen müssen nicht befürchtet werden." (43) Um die Möglichkeiten der Verfolgung und Verwirklichung nationaler Anliegen mittels der europäischen Integration zu erhalten und auszubauen, setze sich die Bundesregierung stärker als andere EU-Mitgliedstaaten dafür ein, den Integrationsprozeß zu vertiefen, um die deutsche "Großmachtstellung" (44) abzusichern. Es gelingt der Autorin insgesamt nicht, die teilweise weitreichenden Behauptungen überzeugend abzustützen. Es entsteht der verkürzte und somit falsche Eindruck, als wäre die Instrumentalisierung der europäischen Integration für die nationalen deutschen Interessen das alles überragende Motiv und Anliegen deutscher Europapolitik. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Bundesrepublik ferner das Attribut "Hegemon" zugeschrieben wird, erscheint fragwürdig. Spekulativ sind die Voraussagen im Schlußkapitel: "Sie [die Bundesrepublik] wird jedoch auf ihre internationale Verantwortung hinweisen, wenn dies notwendig und hilfreich erscheint, also bei den Versuchen, die europäische Integration für die Verfolgung nationaler Interessen zu instrumentalisieren. Die Zahl solcher Versuche wird künftig zunehmen, und die Versuche werden wahrscheinlich in steigendem Maße erfolgreich verlaufen." (235)
Axel Lüdeke (AL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.213.73.1 Empfohlene Zitierweise: Axel Lüdeke, Rezension zu: Inge Schwammel: Deutschlands Aufstieg zur Großmacht. Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3578-deutschlands-aufstieg-zur-grossmacht_4777, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4777 Rezension drucken
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