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/ 21.06.2013
Peter Niggli

Der Streit um die Entwicklungshilfe. Mehr tun – aber das Richtige! Hrsg. von Alliance Sud

Zürich: Rotpunktverlag 2008; 207 S.; brosch., 12,- €; ISBN 978-3-85869-364-8
Über die Ziele von Entwicklungspolitik besteht weitgehend Einigkeit, weniger über die Strategien und Maßnahmen, diese Ziele zu erreichen. Und spätestens seit dem wirtschaftlichen Aufholprozess Chinas und Indiens auf der einen und den Staatszerfallprozessen in Afrika auf der anderen Seite mehren sich die Stimmen aus Politik und Medien, die die Entwicklungshilfe grundsätzlich infrage stellen. Niggli, Geschäftsleiter der Alliance Sud, einer Arbeitsgemeinschaft von sechs großen Schweizer Hilfswerken, greift diese Fundamentalkritik auf und setzt sich umfassend mit der jüngeren Diskussion um die Zukunft der Entwicklungshilfe auseinander. Als zwei gewichtige Gründe dafür, dass „die reichen den armen Ländern helfen müssen“ (43), führt er die Erblast des Kolonialismus und das Klimaproblem an, warnt aber zugleich davor, Entwicklungs- und „Klimahilfe“ (42) gegeneinander auszuspielen. Zwar gebe die Verschiebung der weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse Anlass dazu, die Empfänger von Entwicklungshilfe zu überdenken, schreibt Niggli, doch mache es einen Unterschied, ob hierbei Länder oder Menschen betrachtet würden. Denn die Mehrheit der Bevölkerung Indiens oder Chinas lebe trotz Wirtschaftswachstum unter oder nur knapp oberhalb der Armutsgrenze. Deshalb verteidigt Niggli die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, da sie die Geberländer dazu verpflichten, Mittel der Entwicklungshilfe für die Verbesserung der Lebenssituation der Ärmsten einzusetzen. Als weiteres Argument führt er an, dass nicht alle als entwicklungspolitisch deklarierte Aktivitäten und Ausgaben tatsächlich zur Entwicklung beitragen, sondern u. a. der Sicherung geostrategischer, außen- und wirtschaftspolitischer Interessen dienen. Und genau in dieser Janusköpfigkeit der Entwicklungszusammenarbeit liegt für Niggli „der blinde Fleck der Fundamentalkritik“ (120), die die eigenen Regierungen verschone, aber freigiebig harte Kritik an den Regierungen der Empfängerländer übe. Die Studie wird durch die im zweiten Teil des Buches abgedruckte Politische Agenda der Alliance Sud sinnvoll ergänzt.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.444.222.52.672.68 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Peter Niggli: Der Streit um die Entwicklungshilfe. Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29256-der-streit-um-die-entwicklungshilfe_34596, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 34596 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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