/ 18.06.2013
Harold James
Der Rückfall. Die neue Weltwirtschaftskrise. Aus dem amerikanischen Englisch von Thorsten Schmidt
München/Zürich: Piper 2003; 362 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-492-04488-3Globalisierung wird vielfach als eine Art Naturgewalt dargestellt, die über die Welt gekommen und nicht aufzuhalten ist. Der Historiker James entwickelt eine ganz andere These; „danach ist die Globalisierung sehr störungsanfällig, und sie kann sehr leicht wieder rückgängig gemacht werden, was verheerende Folgen hätte" (8). In einer Analyse der Gründe für die Weltwirtschaftskrise der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts weist er viele Parallelen zur heutigen Situation nach. Genau dieselbe Neigung zu Protektionismus und wirtschaftlichem Nationalismus wie damals erkennt er auch in der heutigen Weltwirtschaft. Die damaligen politischen Maßnahmen interpretiert er als eine Reaktion gegen die Globalisierung, die sich bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Eine solche Gegenreaktion hält er auch am Anfang des 21. Jahrhunderts für „geradezu zwangsläufig". „Es liegt nahe, die Entwicklung der Weltwirtschaft über lange historische Abschnitte mit der Bewegung eines riesigen Pendels zu vergleichen: an eine Phase der Liberalisierung schließt sich eine Phase der Ablehnung und der Wiedereinführung von Kontrollen an." (291) Den Grund für einen möglichen Rückschlag des Pendels identifiziert James in Ressentiments der Menschen gegen eine internationale Verflechtung, deren psychische und institutionelle Folgen sie nicht bewältigen können. Daraus resultiere die Forderung nach Eingriffen ins Wirtschaftsleben mit dem Ziel, eine partikulare Gesellschaftsordnung zu verwirklichen. Im Gefolge des 11. Septembers 2001 hat sich diese Tendenz sogar noch verschärft, so James in einem Vorwort, das er eigens für die deutsche Ausgabe geschrieben hat. Einen in sich stimmigen Gegenentwurf zur Globalisierung vermag er allerdings nicht zu erkennen. Nicht zuletzt, weil die Gegenbewegung zur Globalisierung in erster Linie von Frustration und Wut gesteuert werde und sich ein „neues Klima des Misstrauens, der Polarisierung und der Suche nach Feinden" (17) entwickelt habe, hält James die Weltwirtschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts für verwundbar.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.43 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Harold James: Der Rückfall. München/Zürich: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20122-der-rueckfall_23440, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23440
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M. A., Politikwissenschaftler.
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