/ 04.06.2013
Andreas Berger / Rudi Friedrich / Kathrin Schnieder
Der Krieg in Türkei-Kurdistan. Über die Kriegführung und die Soldaten der türkischen Armee. Hrsg. von Connection e. V., Offenbach; Projekt Genocide Watch, Berlin; AStA TU Berlin; StudentInnenRat der Humboldt-Universität Berlin
Göttingen: Lamuv 1998; 235 S.; 19,80 DM; ISBN 3-88977-502-0Die AutorInnen untersuchen den von der Türkei geführten Krieg gegen die kurdische Bevölkerung, der nunmehr seit knapp 15 Jahren anhält, nachdem die PKK 1984 aufgrund einer bis dahin rund sechzigjährigen Unterdrückung in Guerilla-Form Widerstand zu leisten begann. Im Verlauf dieses Krieges wurden bis heute um die 30.000 Menschen getötet, mehrere tausend kurdische Dörfer zerstört, hunderttausende Kurdinnen und Kurden in die Flucht getrieben und Menschenrechte auch außerhalb des eigentlichen Kriegsgeschehens immer wieder in massiver Weise verletzt. Nicht der Konflikt selbst, seine Ursachen und Bedingungen oder sogar mögliche Lösungsvorschläge stehen im Zentrum der Abhandlung, sondern vielmehr die Kriegführung der Türkei an sich. Gefragt wird nach der Organisation des Krieges, der Rolle der beteiligten Einheiten: der Armee, Polizei, Gendarmerie, Konterguerilla, Geheimdienste, "Dorfschützer" und der des einzelnen Soldaten.
Das Buch gliedert sich in drei Teile: Im ersten und umfangreichsten werden nach einer kurzen Beleuchtung des Konflikthintergrundes, einer Zusammenfassung der Entwicklung, einer Untersuchung der Stellung des Militärs im türkischen Staat und in der türkischen Politik, die Art und Weise der Kriegführung sowie die Strategie der Armee analysiert. Im zweiten Teil (64) folgt eine Analyse des Einsatzes und der Situation des einzelnen Soldaten in diesem Krieg. Ein dritter, sehr kleiner Teil (9) widmet sich dem Widerstand gegen den Krieg in der Türkei.
Die Ausführungen basieren zum einen auf Gesetzen, Presse- und anderen Materialien sowie verschiedenen Publikationen, zum anderen auf einigen Interviews, die die VerfasserInnen mit (ehemaligen) Angehörigen der Streitkräfte führen konnten. Bei ihnen handelt es sich gewiß nicht um eine repräsentative Auswahl. Dennoch bieten sie interessante Einblicke in die Problematik. Die AutorInnen verdeutlichen, daß es sich weniger um "einen 'sauberen Krieg'" als vielmehr um einen "systematischen staatlichen Terror gegen die kurdische Bevölkerung" (letzte Umschlagseite) handelt. Ein Ergebnis, das ein fragwürdiges Licht auf die Militärhilfen und die politische Haltung der Bundesrepublik wirft, die neben den USA diesbezüglich der wichtigste Partner der Türkei ist.
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.63 | 2.25 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Andreas Berger / Rudi Friedrich / Kathrin Schnieder: Der Krieg in Türkei-Kurdistan. Göttingen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6091-der-krieg-in-tuerkei-kurdistan_8282, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8282
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Dipl.-Politologe.
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