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/ 22.06.2013
Fritz Weber

Der kalte Krieg in der SPÖ

Wien/Berlin: Lit 2011 (Österreichische Kulturforschung 11); XIV, 275 S.; 2., erg. Aufl.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-50154-7
Diss. – Fritz Weber beschreibt in dieser unveränderten Neuauflage einer Mitte der 1970er-Jahre verfassten Dissertation die Geschichte des Niederganges des Linkssozialismus in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Was den Autor an der Nachkriegszeit interessiert, ist die „rasche, reibungslose und vollständige Ausschaltung der ‚alten’, von der Tradition des Austromarxismus und der Revolutionären Sozialisten geprägten Linken“ (3). Dadurch habe sich eine Entwicklung der Sozialdemokratie als ein Weg nach „rechts“ ergeben. Weber zeichnet diese Geschichte in offener Sympathie für die Unterlegenen nach, indem er zunächst die Entwicklung der sozialistischen Bewegung von der Befreiung bis zum ersten Parteitag der SPÖ im Dezember 1945 darstellt. Sodann beschreibt er ausführlich zentrale Debatten und Spannungslinien innerhalb der SPÖ für die Jahre 1945 bis 1948. Von großer Bedeutung ist dabei der Kalte Krieg, durch den sich eine Haltung des Antikommunismus in der österreichischen Gesellschaft etabliert habe, die ausgenutzt worden sei, um jede auf gesellschaftsverändernde Maßnahmen ausgerichtete Haltung zu diskreditieren. Dass diese Strategie wirksam gewesen sei, habe zudem an dem stalinistischen Terror gelegen, der linke Ideale in Erklärungsnot gebracht habe. Die Konfliktlinie innerhalb der SPÖ sei während dieser Zeit zwischen der sozialdemokratischen und der orthodoxen Linken verlaufen. Wiederkehrende Spannungen führten Weber zufolge 1947 zu einem endgültigen Bruch zwischen diesen beiden Fraktionen. Grund dafür sei die Haltung zur Sowjetunion gewesen. Für die sozialdemokratische Linke sei der Stalinismus ein Grund gewesen, einen Dritten Weg zu suchen, mit dem sie sich im Gegensatz zur orthodoxen Linken vom Kommunismus habe abgrenzen wollen. Im Mittelpunkt der Kontroversen habe der „Fall Scharf“ gestanden. Die Schilderung der Absetzung des linkssozialistischen Zentralsekretärs der SPÖ und seines Parteiausschlusses nehmen einen großen Teil des Buches ein. Hier weist Weber auf einen autoritären Führungsstil in der SPÖ und den Druck hin, mit dem Scharf zum Schweigen gebracht werden sollte. Das endgültige Ende des „linkssozialistische[n] Geist[es]“ (214) in der SPÖ sei dann mit dem Suizid von Hilde Krones eingetreten, die bis zuletzt die linken Positionen innerhalb der Partei verteidigt habe. Hinzugefügt wurde ein neues Nachwort, das Parallelen zur westeuropäischen Sozialdemokratie im Allgemeinen herstellt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.42.22 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Fritz Weber: Der kalte Krieg in der SPÖ Wien/Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35411-der-kalte-krieg-in-der-spoe_42685, veröffentlicht am 17.01.2013. Buch-Nr.: 42685 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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