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/ 21.06.2013
Manuel Winkelkotte

Der innerpalästinensische Konflikt

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009; 129 S.; brosch., 19,80 €; ISBN 978-3-631-58433-0
Der Autor, der sich mit dem Phänomen der Gewalt bereits in der Nachwuchsgruppe Mikropolitik bewaffneter Konflikte befasste, legt eine hoch interessante Studie zum Konflikt zwischen Hamas und Fatah vor. Denn wie genau Gewalt in politischen Konflikten entsteht und wie ihr Verlauf analytisch erfasst werden kann, ist immer noch ein Problem der Forschung. Winkelkotte fragt nach den Strukturen und Dynamiken des periodisch auftretenden Konflikts. Dabei beruht seine Fragestellung auf der Annahme, „dass sich im Zuge des Konfliktes ein komplexes Netzwerk sozialer Beziehungen herausgebildet und verstetigt hat, in dem die Akteure in wechselseitiger Abhängigkeit zusammengebunden sind“ (8). Auf der Makroebene untersucht der Autor die weltgesellschaftlichen Bedingungen des Konflikts, auf der Mesoebene betrachtet er, wie das Beziehungsgeflecht von Israel, Hamas und Fatah auf die Gewaltdynamik wirkt und auf der Mirkoebene schließlich werden die Fraktionen der Organisationen und Clans genauer analysiert. Als zentral identifiziert er schließlich mehrere „Ungleichzeitigkeiten“ der Modernisierung, die aus „einer schnelleren Transformation der ökonomischen Reproduktion, der die Herrschaftsordnung und die symbolische Reproduktion nicht folgen konnten“ (54), resultieren. In dem Konflikt gehe es, so erläutert Winkelkotte, um die Bildung einer Wir-Identität im Kontext des Staatbildungsprozesses, also der Überführung einer gesellschaftlichen Machtposition in eine legitime Herrschaft. So protestierte die Hamas zur Zeit der Ersten Intifada gegen den Widerspruch zwischen unpersönlichen Sozialbeziehungen und der noch traditional begründeten, personalen Herrschaft der Notabeln, die zudem mit Israel paktierten. Der Autor führt daher aus, dass Israel ein grundsätzliches Interesse an einer palästinensischen Staatsbildung haben sollte, da so die innerpalästinensische Gewaltlogik durch politisch institutionalisierte Zwänge delegitimiert würde. Er schließt: „Jeder innerpalästinensische Konflikt, der sich um die Definition einer Wir-Identität bewegt, droht so auf Israel projiziert zu werden“ (115).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.632.222.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Manuel Winkelkotte: Der innerpalästinensische Konflikt Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31683-der-innerpalaestinensische-konflikt_37751, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 37751 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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