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/ 22.06.2013
Peter Cornelius Mayer-Tasch (Hrsg.)

Der Hunger der Welt. Ein fatales Politikum

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011; 237 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-593-39415-2
Der Hunger ist ein „Politikum allererster Ordnung“ (7), schreibt Mayer-Tasch im Vorwort, denn der Mangel an Nahrungsmitteln in einigen Regionen der Welt ist primär Ausdruck einer Verteilungsproblematik, weniger einer Krise der landwirtschaftlichen Produktion. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den letzten Jahren angewachsen: Jeder sechste Mensch hat nicht genug zu essen, alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung. Gleichzeitig stellt sich in Industrieländern das Problem der Übergewichtigkeit vieler Menschen dar. Den Implikationen der Welthungerkrise, in der Mayer-Tasch eine „Sinnkrise unseres zivilisatorischen Status quo“ (8) sieht, auf die Spur zu kommen, ist das Ziel von Herausgebern und Autoren. Im Blickpunkt des ersten Teils stehen kultur- und sozialgeschichtliche Aspekte. Der „Galopp durch die europäische Ernährungsgeschichte“ (45) verdeutlicht, welch enge Beziehungen zwischen Ernährung und Kultur sowie zwischen gesicherter Ernährungsgrundlage und politischer Stabilität bestehen. Ökonomische und politische Fragen stehen im Blickpunkt des zweiten Themenblocks, etwa die Macht der Konzerne in der Lebensmittelbranche, die von ihnen praktizierten Lebensmittelmanipulationen und deren Folgen. Aufgezeigt wird der Zusammenhang zwischen Hunger und Bevölkerungswachstum; die Hungerbekämpfungsstrategien erweisen sich angesichts einer Steigerung der Bevölkerungszahlen als wenig erfolgreich. Das gelte insbesondere für gewisse Regionen in Afrika, für das südliche Zentral- und für Westasien. Hunger und „absolute“ (119) Armut gehen einher, was auch in der internationalen Politik zu sehen sei, die auf Nahrungsversorgung setze und damit die nationalen Produzenten an der Produktion hindere. Die Zerstörung sozialer Strukturen in den ländlichen Räumen durch den Entzug der Existenzgrundlage führe zu wachsender Armut der Kleinbauern und münde zwangsläufig in Landflucht. Der „Dreiklang aus Hunger, Armut und Bevölkerungswachstum“ (121) betreffe überwiegend die Kleinbauern in Teilen Afrikas und Asiens, deren Existenzgrundlage durch die bisherige Entwicklungspolitik zerstört werde. Wie eine „nachhaltige, kleinteilige, regional angepasste Landwirtschaft“ (193) gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu einer verbesserten Nahrungsversorgung beitragen könnte, ist im dritten Abschnitt nachzulesen. Sie gilt als eines der „Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Hungerbekämpfung“ (194).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.454.43 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Peter Cornelius Mayer-Tasch (Hrsg.): Der Hunger der Welt. Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34055-der-hunger-der-welt_40820, veröffentlicht am 16.02.2012. Buch-Nr.: 40820 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA