/ 22.06.2013
Johannes Rau (Hrsg.)
Der Gründer. Heydar Aliyev als Mensch und Staatsmann
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012; 254 S.; brosch., 46,80 €; ISBN 978-3-631-62066-3Die unabhängige Aserbaidschanische Republik wurde 1991 gegründet. Einen wesentlichen Anteil an diesem Prozess hatte Heydar Alijew (die Schreibweise unterscheidet sich im Text von der im Titel), der nicht nur Präsident des Landes von 1993 bis 2003 war, sondern zuvor von 1969 bis 1982 KP-Chef der Sowjetrepublik. Sein Leben wird in diesem Buch ausführlich dargestellt. Beschrieben werden seine Persönlichkeit, die ideologische und politische Entwicklung, seine Auseinandersetzungen innerhalb des sowjetischen Aserbaidschans und der Sowjetregierung, sein Glauben und seine religiöse Politik. Darüber hinaus wird die Beziehung zu Gorbatschow analysiert und die Rolle Alijews bei der Gründung und dem Aufbau der Aserbaidschanischen Republik geschildert – die Grundlagen dieses Staates seien von Alijew während der Sowjetzeit geschaffen worden. Wie Rau schon im Vorwort offenlegt, werden in diesem Buch die guten Taten Alijews hervorgehoben, denn: „Wie kann es anders sein, wenn man über einen echten Helden spricht?“ (12). Entsprechend wird nicht mit Lob gespart. Alijew sei „zweifellos der größte Nationalheld“ (8), der „hervorragendste Staatsmann der neuen, unabhängigen Aserbaidschanischen Republik“ (15). Alijew könne als Vorbild dienen, dessen Leben man nachahmen solle. Aus diesem Grund wird sein Leben sehr detailliert beschrieben – wie er sich kleidete, was er aß und trank, dass er nicht rauchte und welche Sportarten er ausübte. Und: „Seine Willenskraft, Zielstrebigkeit, Arbeitsfähigkeit, Ansprüche an sich selbst und seine Mitmenschen, seine Ehrlichkeit und gleichzeitig seine Strenge mit Gegnern und Faulpelzen können für jeden eine Lehre sein. Sehr angenehm sind auch solche Charakterzüge Alijews wie die Liebe zur Familie, das Ehren der Vorfahren, die Liebe zur Kultur seines Volkes, die Fähigkeit zur Vergebung, Gutherzigkeit und vieles andere“ (8). Dieses sehr einseitige Bild, das Kritik an Alijew wie etwa die Bevorzugung seines Klans und die Anhäufung von Reichtümern kaum berücksichtigt und auch sonstige Kritikpunkte wie die fehlenden Quellenangaben zu manchen Behauptungen spricht Rau teils selbst an, hält sie allesamt jedoch für irrelevant. Das verzerrte Bild wird zudem fortgesetzt, wenn es um die Einschätzung der gegenwärtigen Lage Aserbaidschans geht. Hier wird der mittlerweile zum Präsidenten gewählte Sohn von Heydar Alijew, Ilham Alijew, als „global und strategisch denkender und gleichzeitig hochintelligenter Politiker von internationalem Niveau mit breitestem Wissen und großer Verwaltungserfahrung“ (209) bezeichnet. Eine ausgewogene Analyse sieht anders aus.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.63 | 2.62 | 2.23 | 2.24 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Johannes Rau (Hrsg.): Der Gründer. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35301-der-gruender_42521, veröffentlicht am 23.08.2012.
Buch-Nr.: 42521
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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