/ 05.06.2013
Kurt Hübner
Der Globalisierungskomplex. Grenzenlose Ökonomie - grenzenlose Politik?
Berlin: edition sigma 1998 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 10); 378 S.; 44,- DM; ISBN 3-89404-870-0In der aktuellen Debatte über Globalisierung werden territorial gebundene Akteure - in erster Linie der Nationalstaat, aber auch die Gewerkschaften - einhellig als Verlierer dargestellt, die vor dem Diktat der Finanzmärkte kapitulieren müssen. Die zunehmende Entgrenzung ökonomischer Funktionszusammenhänge erscheint dabei als ein Verhängnis, das mit nahezu naturwüchsiger Gewalt alle etablierten demokratischen und sozialstaatlichen Standards unter sich begräbt. Hübner hält diese - nicht nur in den Medien - verbreitete Stilisierung für einen Mythos, der mit der verfügbaren Empirie nicht belegt werden kann. Trotz fortschreitender Globalisierung - so sein zentrales Argument - nimmt seit den frühen 80er Jahren der Homogenitätsgrad nationaler Verwertungsräume keineswegs zu, statt dessen erhalten nationale Spezifika wieder mehr Gewicht (145 f.). Aus der Einsicht, daß es keinen Automatismus für eine Globalisierung aller ökonomischen Beziehungen gibt, ergibt sich die theoretische Maxime einer detaillierten Analyse der (nationalen) Pfadabhängigkeit politisch-ökonomischer Restrukturierungsprozesse. Diesem Gebot zunehmender Konkretion folgt der Aufbau des Buches. Der einleitenden Auseinandersetzung mit ökonomietheoretischen und politikwissenschaftlichen Globalisierungskonzepten (17 ff.) folgt eine empirisch gestützte Interpretation am Beispiel ausländischer Direktinvestitionen (149 ff.). Diese thematische Perspektive leitet auch die folgenden Analysen der Einbindung der deutschen Produktionsstruktur in die globale Ökonomie einerseits (241 ff.) sowie deren Folgen für den nationalen Arbeitsmarkt andererseits (299 ff.). Das Schlußkapitel resümiert die Überlegungen unter dem Gesichtspunkt der möglichen Handlungsfähigkeit territorialer Akteure (343 ff.).
Aus dem Inhalt: 2. Der Globalisierungskomplex: Erste Annäherungen und konzeptionell-empirische Überlegungen in analytischer und historischer Perspektive: 2.1 Neues vom G-Wort; 2.2 Geld- und Kapitalmärkte als Paradebeispiele ökonomischer Globalisierung; 2.3 Back to the Future: Historische Einordnung gegenwärtiger Globalisierungsprozesse; 2.4 Globalisierung, Entkoppelung von realer und monetärer Akkumulation und Verselbständigung des monetären Weltmarktes; 2.5 Ein qualitatives Verständnis von Globalisierung; 2.6 Zusammenfassender analytischer Ausblick. 3. Internationale Direktinvestitionen: Eine empirische Bestandsaufnahme: 3.1 Der Weg zu einem international integrierten Produktionssystem; 3.2 Regionalstruktur der Direktinvestitionen: Herkunftsländer; 3.3 Regionalstruktur der Direktinvestitionen: Zielökonomien; 3.4 Mittelosteuropa als neue Zielregion ausländischer Direktinvestitionen; 3.5 Die sektorale Dimension der Globalisierungsprozesse; 3.6 Triadisierung und Clustering der Weltwirtschaft; 3.7 Nochmals: Auf dem Weg zu einer global integrierten Produktion. 4. Die bundesdeutsche Wirtschaft im globalen Verflechtungszusammenhang: 4.1 "Japanisierung" der deutschen Wirtschaft? 4.2 Die BRD im Geflecht internationalisierter Produktion; 4.3 Deutschland und das 'globalization puzzle'. 5. Globalisierung, nationale Arbeitsmärkte und Gewerkschaften: 5.1 Das allgemeine Problem; 5.2 Panorama nationaler Arbeitsmarktkonstellationen; 5.3 Globalisierung und nationale Arbeitsmärkte; 5.4 Handlungsressourcen, Handlungsinteressen und Handlungsspielräume von Gewerkschaften. 6. Das Verhältnis von "Politik" und "Ökonomie" unter Bedingungen ökonomischer Globalisierung.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Kurt Hübner: Der Globalisierungskomplex. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7227-der-globalisierungskomplex_9649, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9649
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA