/ 11.06.2013
Eva Roeder
Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) Ein Beitrag zur Demokratisierung der lokalen Ebene
Berlin: Lit 2010 (Region – Nation – Europa 60); XVI, 110 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-10508-0Politikwiss. Magisterarbeit Potsdam; Gutachter: H. Kleger. – Bürgerhaushalte gelten allgemein als erfolgreiche Verfahren der Bürgerpartizipation. In Lateinamerika, dem Ursprungsland dieses lokalpolitischen Beteiligungsinstruments, zielt die Einrichtung von Bürgerhaushalten darauf, Korruption und klientelistische Strukturen zu durchbrechen. Auch sollen Bürgerhaushalte zur sozialen Gerechtigkeit und zur Demokratisierung beitragen. Die Autorin fragt nach den Erfolgsbedingungen und dem Demokratisierungspotenzial des Bürgerhaushalts. Zunächst erfolgt eine theoretische Einordnung, wonach Roeder Bürgerhaushalte als „Indikator der partizipativen Demokratie“ (3) versteht. Anschließend skizziert sie die politischen und sozialstrukturellen Entwicklungen in Argentinien und insbesondere in Rosario, der drittgrößten Stadt des Landes und dem Fallbeispiel der Studie. Argentinien verfügt über eine aktive und zum Teil in autonomen Selbsthilfenetzwerken organisierte Zivilgesellschaft. Auch in Rosario wurden – insbesondere infolge der schweren Wirtschaftskrise von 2001– zahlreiche Vereine, Clubs und autonome Stadtteilversammlungen ins Leben gerufen, die meist, so legt die Autorin dar, jenseits staatlicher Strukturen agieren. Der Bürgerhaushalt in Rosario wurde erstmals im Jahr 2001 und damit in der Phase des wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt eingerichtet, der von massiven Protestmärschen begleitet war und zu einer völligen Delegitimierung der Politik führte. Die Krise habe „kleineren progressiv ausgerichtete Akteuren ein Handlungsfenster zur Durchsetzung von tiefgreifenden Reformen und Politikinhalten“ (53) geboten; mit dem Bürgerhaushalt sei auf die Proteste der Gesellschaft reagiert worden. Roeder interpretiert den Bürgerhaushalt daher auch als ein Mittel, die autonomen Stadtteilversammlungen „in das politische System zu absorbieren“ (54). Neben solcherart günstigen Ausgangsbedingungen hängt der Erfolg des Bürgerhaushalts auch vom institutionellem Design ab, das die Autorin ausführlich analysiert. Außerdem bezieht sie zwei Programme zur Beteiligung von Frauen und Jugendlichen in die Untersuchung ein. Ihr Fazit lautet, dass der Bürgerhaushalt ein geeignetes Instrument zur Stärkung der lokalen Demokratie in Argentinien darstellt.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Eva Roeder: Der Bürgerhaushalt in Rosario (Argentinien) Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9682-der-buergerhaushalt-in-rosario-argentinien_39789, veröffentlicht am 06.04.2011.
Buch-Nr.: 39789
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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