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/ 22.06.2013
Wolbert K. Smidt / Irina Mohr / Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.)

Der allmächtige Geheimdienst – Ein Relikt der Vergangenheit? Zur Transformation der Geheimdienste Mittel- und Osteuropas nach 1990

Berlin: Lit 2012 (Demokratie und Geheimdienste 3); 229 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-643-11792-2
Die bisherigen Betrachtungen über die Transformation in Ost‑ und Mitteleuropa nach dem Ende des Kalten Krieges konzentrieren sich zumeist auf politische und soziale Aspekte. Die Bedeutung der früheren kommunistischen Geheimdienste konnte aufgrund der Aktenlage bisher nur sehr bruchstückhaft berücksichtigt werden. Mit diesem Buch möchten die Herausgeber „die Problematik des Verhältnisses zwischen der demokratischen Ordnung und den von der Geschichte des Machtmissbrauchs und der vollständigen Intransparenz belasteten Geheimdiensten kritisch beleuchten. Zugleich wollen wir mit den hier vorzufindenden Erörterungen die funktions‑ und verfassungsgerechte Möglichkeit der Einordnung der Dienste in die Demokratie fördern.“ (10) Für diese Ziele haben sie eine ganze Reihe von Personen gewinnen können, die um 1990 hochrangige Beamte in mittel‑ und osteuropäischen Geheimdiensten waren, eine authentische Darstellung der Entwicklungen geben und diese historisch einordnen können. Brigo Asparuchow, ab 1970 für den bulgarischen Auslandsgeheimdienst tätig und von 1991 bis 1997 sogar dessen Direktor, rekapituliert in seinem Beitrag zunächst die Entwicklung und personelle Zusammensetzung des Nachrichtendienstes bis 1989, um dann die rechtlichen und strukturellen Probleme zu umreißen, die Asparuchow in seiner Funktion als Direktor zu lösen suchte. Aufgrund der geschichtlichen Erfahrungen war dies keine leichte Aufgabe, denn Medien und Politiker schauten „misstrauisch und auch mit Hass“ (108) auf die Reformbemühungen. Kálmán Kocsis, seit 1973 Mitarbeiter des ungarischen Auslandsnachrichtendienstes, zur Wende dessen stellvertretender Chef und unter der ersten demokratischen Regierung Generaldirektor, erklärt, weshalb der ungarische Geheimdienst im Zuge der Transformation des Landes nicht aufgelöst wurde, sondern als einer der wenigen Geheimdienste Osteuropas weiterhin tätig blieb. Der Band ist auf Grundlage einer im Oktober 2010 vom Gesprächskreis Nachrichtendienste e.V. und der Friedrich‑Ebert‑Stiftung e.V. veranstalteten Tagung in Berlin entstanden und das insgesamt dritte Buch der Reihe „Demokratie und Geheimdienste“.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.212.222.22.3242.612.62 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Wolbert K. Smidt / Irina Mohr / Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.): Der allmächtige Geheimdienst – Ein Relikt der Vergangenheit? Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35750-der-allmaechtige-geheimdienst--ein-relikt-der-vergangenheit_43327, veröffentlicht am 21.03.2013. Buch-Nr.: 43327 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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