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/ 31.10.2013
Giovanni Finizio / Ernesto Gallo (Hrsg.)

Democracy at the United Nations. UN Reform in the Age of Globalisation

Brüssel u. a.: Peter Lang 2013 (Federalism 1); 359 S.; 44,40 €; ISBN 978-90-5201-894-2
Die Debatte über die institutionelle Reform der Vereinten Nationen (VN) ist gefühlt so alt wie die Organisation selbst. Angesichts immer offenkundig werdender Verschiebungen im globalen Machtgefüge sowie immer drängenderer, nur global zu bewältigender Aufgaben (etwa im Umgang mit dem Klimawandel) lohnt sich indes durchaus eine Fortsetzung der Überlegungen darüber, welchen produktiven Beitrag die VN in einer immer stärker vernetzten Welt – so das Globalisierungsverständnis der Herausgeber – leisten könnten. Vor diesem Hintergrund widmen sich die Autoren des Sammelbandes drei Themenfeldern: einer breiten, zudem historisch kontextualisierten Gegenwartsdiagnose und Bestandsaufnahme der VN (Teil 1) folgt die Diskussion der Frage geeigneter Modi der Repräsentation der globalen Pluralität von Bevölkerungsgruppen (Teil 2). Daran anschließend wird der Schwerpunkt auf die angesichts der neuen Umstände der Globalisierung des 21. Jahrhunderts nötigen und möglichen strukturellen Reformen der VN gelegt (Teil 3). In allen drei Themenfeldern sind die Ergebnisse zu den großen Linien der Befunde wenig überraschend. Zwar kann man über die Vorstellung einer immer noch wirksamen US‑amerikanischen Hegemonie auf dem Planeten trefflich streiten. Dass aber staatliche Souveränität angesichts von zunehmenden Governanceprozessen immer stärker um ihre eigene Durchsetzungsfähigkeit kämpfen muss, ist da schon eher ein Allgemeinplatz. Die Beiträge der Teile 2 und 3 sind stärker aufeinander bezogen und bilden den eigentlichen Kern des Bandes. Während die Aufsätze in Teil 2 die Möglichkeiten einer kosmopolitischen Demokratie ausloten und dabei – wie etwa Raffaele Marchetti – gleich in bester Kant‘scher Diktion einen Weltföderalismus aufziehen sehen, fokussieren die Beiträge des dritten Teils machbare Strukturreformen. Dass dabei der Sicherheitsrat als bedeutendstes Gremium der VN im Mittelpunkt steht, verwundert kaum – einzig die Konzentration auf „nur“ ein Organ wird dem Anspruch des Bandes kaum gerecht. Wie dem auch sei – wenn etwa Hans Köchler ein vehementes Plädoyer zugunsten einer Stärkung demokratischer Prozesse im Dienste der Stärkung der Legitimation der VN anmahnt, dann ist dem nur schwerlich zu widersprechen. Wie genau solche Reformen einzuleiten sein könnten, bleibt ungewiss. Die Debatte wird also weitergehen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.3 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Giovanni Finizio / Ernesto Gallo (Hrsg.): Democracy at the United Nations. Brüssel u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36346-democracy-at-the-united-nations_44184, veröffentlicht am 31.10.2013. Buch-Nr.: 44184 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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