/ 21.06.2013
Katrin Heinritz
"Defekte Demokratisierung" – ein Weg zur Diktatur? Turkmenistan und die Republik Sacha (Jakutien) in der Russischen Föderation nach dem Ende der Sowjetunion
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2007 (Studien des Instituts für Ostrecht München 58); 281 S.; brosch., 51,50 €; ISBN 978-3-631-57356-3Politikwiss. Diss. Tübingen; Gutachter F.-Ch. Schroeder. – Heinritz vergleicht zwei relativ unbekannte politische Systeme, Turkmenistan und die Republik Sacha in der Russischen Föderation, hinsichtlich ihres Herrschaftswandels nach dem Zusammenfall der Sowjetunion und setzt diese in Beziehung zu den vorherrschenden Herrschaftskonzepten der Transformationsforschung. Mithilfe dieser zwei Fallstudien wird dem sogenannten Transitionparadigma, der Gleichsetzung bzw. Zwangsläufigkeit von Systemwechsel und Demokratisierung, ein weiteres Mal entgegengetreten. Darauf aufbauend erweitert die Autorin die bereits von Wolfgang Merkel veränderte Phasentriologie (Institutionalisierung – Konsolidierung – Stabilisierung) durch das von ihr entwickelte „Dilemma der Beständigkeit“. Mit diesem Konzept trägt sie systemimmanenten Verhaltensmustern und informellen, institutionalisierten Machtstrukturen sowie einem tradierten Gesellschaftsbewusstsein Rechnung, das im postsowjetischen Kontext regimestabilisierend wirkt. Um den Kategorisierungsmöglichkeiten der vergleichenden Regierungsforschung einen strukturierten Rahmen zu bieten, entwirft Heinritz zudem einen „Dimensionenwürfel“ für politische Systeme. Dieses Design soll den Anspruch haben, die einzelnen Spezifika der jungen politischen Systeme effizienter zu analysieren, zu vergleichen und auf Fragen der innenpolitischen Stabilität sowie Funktionalität zu überprüfen. Zudem ist es Heinritz ein Anliegen, durch den Dimensionenwürfel mit der „deskriptiven Beliebigkeit und terminologischen Kreativität“ (9) zur Umschreibung von postsowjetischen Regimen aufzuräumen und ihnen eine effektive empirisch fundierte analytische Alternative entgegenzusetzen. Das ist ihr gelungen – nicht zuletzt, da diese theoretischen Überlegungen auf umfassenden Grundlagenforschungen wie z. B. umfangreiche Recherchen in den Fallbeispielländern, Interviews sowie Quellenübersetzungen der beiden Verfassungen basieren.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Katrin Heinritz: "Defekte Demokratisierung" – ein Weg zur Diktatur? Frankfurt a. M. u. a.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29046-defekte-demokratisierung--ein-weg-zur-diktatur_34303, veröffentlicht am 05.08.2008.
Buch-Nr.: 34303
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Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
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