/ 21.06.2013
Helga Amesberger / Brigitte Halbmayr
Das Privileg der Unsichtbarkeit. Rassismus unter dem Blickwinkel von Weißsein und Dominanzkultur
Wien: Wilhelm Braumüller 2008 (Studienreihe Konfliktforschung 22); X, 199 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-7003-1673-2Seit Mitte der 90er-Jahre haben sich in den USA die Critical-Whiteness-Studies (CWS) etabliert, in deren Mittelpunkt das System des Rassismus steht, das die US-amerikanische Gesellschaft umfassend durchdringt. Diese kritische „Weißseinsforschung“ ändert die Perspektive von den Objekten hin zu den Subjekten des Rassismus – denn Rassen existieren nicht als biologische Phänomene, sondern sie sind kulturelle Phänomene, hinter denen sich Macht- und Dominanzstrukturen verbergen. Anton Pelinka betont in seinem Vorwort: „Der Begriff der Dominanzkultur […] ist deshalb sinnvoll nutzbar, weil er jeden Anschein von biologischer Objektivität vermeidet und sich von vornherein auf die soziale Funktionalität konzentriert“ (VII). Die Autorinnen sehen die rassistischen Ursprünge in der europäischen Kultur und Identität begründet: „Es ist der Überlegenheitsgestus des westlichen Welt, der einen zentralen Bestandteil unserer Kultur und unseres Selbstverständnisses darstellt“ (42). Der Ansatz der Dominanzkultur erfasst nicht nur die rassistische Diskriminierung, sondern auch jene infolge anderer distinkter Merkmale wie Geschlecht, Alter, sozialer Schicht oder Religion. Zudem versucht der Ansatz auch die Gleichzeitigkeit von Diskriminierung und Dominanz oder Macht als gesellschaftlicher Erfahrung auf unterschiedlichen Ebenen zu beschreiben. Dabei greift das Konzept amerikanischer Provenienz auf den Machtbegriff nach Foucault und Gramsci zurück. Amesberger und Halbmayr aber schlagen vor, sich eher an den Begriff der Partizipationsmacht nach Reemtsma zu halten. Jedoch warnen die Autorinnen auch: „Der primär sozialpsychologische Zugang kann den Blick auf Erkenntnisse anderer Disziplinen verstellen“ (164), wenn er zu sehr das Individuum in den Fokus nehme und den Anderen als Spiegel für die Probleme der eigenen Psyche verstehe. Denn schließlich gehe es um gesellschaftliche Fragen, die politische Lösungen brauchen. Die Autorinnen legen eine Studie mit zahlreichen konstruktiven kritischen Anregungen für zukünftige Forschung vor.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.64 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Helga Amesberger / Brigitte Halbmayr: Das Privileg der Unsichtbarkeit. Wien: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30028-das-privileg-der-unsichtbarkeit_35591, veröffentlicht am 24.03.2009.
Buch-Nr.: 35591
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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