/ 22.06.2013
Dani Rodrik
Das Globalisierungs-Paradox. Die Demokratie und die Zukunft der Weltwirtschaft. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber
München: C. H. Beck 2011; 416 S.; geb., 24,95 €; ISBN 978-3-406-61351-7Der Autor, Professor für Internationale Politische Ökonomie in Harvard, thematisiert in seinem durchweg gut lesbaren Buch die Frage nach dem Verhältnis von Demokratie und Globalisierung. Dabei liegt der Fokus eindeutig auf ökonomischen Aspekten. Die zentrale These Rodriks läuft jedoch auf eine normative Dominanz des (National-)Politischen vor dem (Global-)Ökonomischen hinaus: „Demokratie und nationale Selbstbestimmung sollten uns wichtiger sein als eine Hyperglobalisierung. Demokratien haben das Recht, ihre gesellschaftlichen und sozialen Errungenschaften zu verteidigen, und wenn dieses Recht mit den Erfordernissen der Weltwirtschaft in Konflikt gerät, sollten letztere zurückstehen. […] Eine dünne Schicht internationaler Regeln, die den nationalen Regierungen einen erheblichen Gestaltungsspielraum lässt, ist die bessere Variante der Globalisierung.“ (21) Die These wird nicht ideologisch begründet, so wie dies oftmals vonseiten neokeynesianischer Autoren geschieht, sondern anhand empirischer Beispiele, was in der Gesamtschau auf eine transparente Darstellung der Geschichte der Globalisierung hinausläuft. Rodrik räumt dabei mit einigen Mythen auf. So ist die Globalisierung seines Erachtens keine fundamental neue Erscheinung des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Er belegt dies anhand von Beispielen, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen. Rodrik schreibt: „In der Tat lässt sich nach einer ganzen Anzahl von Kriterien zeigen, dass die Weltwirtschaft erst vor kurzem das schon 1913 erreichte Niveau der Globalisierung, soweit es Handel und Finanzen betrifft, wieder erreicht und überschritten hat. Was die Mobilität der Arbeitskräfte betrifft, hinkt die heutige Welt dem damaligen Globalisierungsgrad sogar noch hinterher.“ (51) Vehement widerspricht Rodrik der Ansicht, dass der Nationalstaat in Zukunft keine Rolle mehr spiele – bzw. spielen sollte. Die Begrenztheit dieser Sichtweise macht er u. a. am Beispiel der EU deutlich: „Unter der Voraussetzung, dass wir die richtigen Verkehrsregeln anwenden, fahren wir in der Weltwirtschaft auch dann recht gut, wenn die Nationalstaaten am Steuer sitzen.“ (321) Gerade vor dem Hintergrund der europäischen Staatsschuldenkrise ist Rodriks Buch eine lohnenswerte Lektüre.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Dani Rodrik: Das Globalisierungs-Paradox. München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33665-das-globalisierungs-paradox_40321, veröffentlicht am 02.02.2012.
Buch-Nr.: 40321
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
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