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/ 06.06.2013
Elmar Altvater

Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Eine radikale Kapitalismuskritik

Münster: Westfälisches Dampfboot 2005; 240 S.; 14,90 €; ISBN 3-89691-627-0
Folgt man den Verfechtern der herrschenden Ökonomie – einerlei ob in der Praxis oder in der Theorie – so erscheint das gegenwärtige kapitalistische Modell ohne Alternative. Nur um den Preis erheblicher Wohlstandseinbußen und massiver politischer Instabilitäten könne der Pfad der sich global durchsetzenden Modernisierung westlichen Zuschnitts verlassen werden. Die orthodoxe Linke hatte demgegenüber stets die immanenten Widersprüche der kapitalistischen Logik unterstrichen und darauf die Hoffnung eines endogenen Verfalls des Systems gegründet. Das ist nicht die Perspektive Altvaters – der Kapitalismus hat sich historisch als so anpassungsfähig erwiesen, dass allein eine utopisch zu nennende Konstellation das Ende jenes Kapitalismus anzeigen könnte, wie wir ihn kennen. Dazu müssten einerseits extreme externe Herausforderungen des Kapitalismus selbst und andererseits die Verfügbarkeit einer glaubwürdigen Alternative zusammentreffen. Altvater rückt deshalb in den Mittelpunkt seiner „radikalen Kritik“ eine Analyse des unüberschreitbaren gesellschaftlichen Naturverhältnisses, in das die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer Abhängigkeit vom fossilen Energieregime gebunden ist. Auch wenn das System ökonomische Krisen und soziale Konflikte auffangen können sollte – das absehbare Versiegen der fossilen Brennstoffe werde dessen Anpassungsfähigkeit strukturell überfordern. Zugleich will Altvater zeigen, dass die neuen „sozioterritorialen Bewegungen“ tragfähige Entwürfe einer ebenso solidarischen wie nachhaltigen gesellschaftlichen Praxis repräsentieren. Die darin aufscheinende grundsätzliche Abkehr vom Produktivismus würde sowohl andere Energiequellen erschließen und einen tief greifenden Umbau der Infrastruktur anleiten als auch die etablierten Regulierungen von Arbeit, Einkommen und Leistung umgestalten müssen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.24.432.22 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Elmar Altvater: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8968-das-ende-des-kapitalismus-wie-wir-ihn-kennen_28748, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28748 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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