/ 22.06.2013
Alfredo Schulte-Bockholt
Corruption as Power. Criminal Governance in Peru during the Fujimori Era (1990-2000)
Bern u. a.: Peter Lang 2013; XVII, 318 S.; pb., 85,60 €; ISBN 978-3-0343-0616-4Während der Präsidentschaft Alberto Fujimoris erlebte Peru eine kriminelle Regierung unter Duldung und offener Unterstützung wichtiger gesellschaftlicher Akteure. „It is about the corruption of the powerful or grand corruption. […] the project evolved into an inquiry of the criminal activities of a dictatorship posing as a democracy in which corruption played a key function” (1), beschreibt Alfredo Schulte‑Bockholt das südamerikanische Land in den 1990er‑Jahren. Der Autor behandelt damit ein Thema, das außerhalb des lateinamerikanischen Raums bisher wenig Beachtung gefunden hat und das auch im betroffenen Staat selbst nach wie vor nicht aufgearbeitet ist. Zu kurz, keine fünfzehn Jahre, liegen die Verbrechen des Fujimori‑Regimes zurück, und große Teile der Bevölkerung haben sich noch nicht mit der nahen Vergangenheit auseinandergesetzt. Hier setzt auch Schulte‑Bockholts Hauptkritik an – bis zu 80 Prozent der Bevölkerung hätten den Staatsstreich Fujimoris im Jahre 1993 mit Wohlwollen betrachtet und unterstützt. Fujimori hielt sich in der Folge an der Macht – gestützt durch die Boulevardpresse und die repressiven Staatsorgane. Und je länger sein Regime dauerte, desto korrupter wurde es. Zur Jahrtausendwende gelangte die großangelegte Korruptionsstruktur an die Öffentlichkeit, das System brach in sich zusammen und Fujimori floh. Erst Jahre später wurde er verhaftet und schließlich zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Schulte‑Bockholt geht ein Thema an, das durch seine Vielfältigkeit heraussticht. Er analysiert dabei präzise die staatlichen Apparate, die entscheidend zum Systemerhalt beigetragen haben, die Rolle religiöser, insbesondere katholischer Gruppen und privater Akteure, die allesamt Hand in Hand eine Quasi‑Diktatur am Leben erhielten. Der Verfasser bedient sich dafür allerdings einer oft pejorativen Sprache, die die Qualität des Werkes insgesamt leicht mindert. Dennoch vermittelt das Buch einen gelungenen Einblick in ein Land, das trotz seiner turbulenten Geschichte wenig Aufmerksamkeit erfährt.
Vincent Wolff (VW)
Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.65 | 2.25 | 2.23 | 2.22 | 2.21 | 4.43 | 4.5
Empfohlene Zitierweise: Vincent Wolff, Rezension zu: Alfredo Schulte-Bockholt: Corruption as Power. Bern u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35857-corruption-as-power_43839, veröffentlicht am 13.06.2013.
Buch-Nr.: 43839
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Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
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