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/ 13.02.2014
Pavan Sukhdev (Hrsg.)

Corporation 2020. Warum wir Wirtschaft neu denken müssen. Aus dem Englischen von Annette Bus, Heinz Tophinke und Kurt Beginnen

München: oekom verlag 2012; 289 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-86581-437-1
Pavan Sukhdev, ehemaliger Manager der Deutschen Bank, siedelt seine Überlegungen über eine nachhaltige, zukunftsfähige Unternehmensstruktur und ‑politik im „Spannungsfeld zwischen Gewinn und Gemeinwohl“ (8) an. Was wird aus einer Welt, in der, so fragt er, multinationale Konzerne nach Jahrzehnten der ökonomischen Deregulierung ohne soziale oder lokale Rückbindungen nur das tun, wozu sie da sind: größtmöglichen Gewinn zu erwirtschaften? Seine an diese Frage anschließende Diagnose ist nicht in dem Maße radikal, dass er angesichts der immer deutlicher erkennbaren Grenzen von blindem, ökonomischem Wachstum für eine radikale Abkehr von der kapitalistischen Marktwirtschaft plädieren würde. Allerdings fordert er deren nachhaltige Reform: Auf Basis eines funktionierenden internationalen Rechtsrahmens ließen sich ökonomischer Erfolg, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit so miteinander verbinden, dass multinationale Konzerne ihre Externalitäten nicht mehr auf die Länder des globalen Südens abwälzen müssten. Anhand einiger Beispiele konkretisiert Sukhdev seine Vorstellungen: The Body Shop und seine Kampagne gegen Tierversuche oder die Verwendung nachhaltig gewonnenen Palmöls als Kosmetikgrundstoff verdeutlichen die Möglichkeiten einer ökologischen Unternehmensführung ebenso die Kaffeehauskette Starbucks und ihr Bemühen um fairen Kaffeehandel: „Der Import fair gehandelten Kaffees in die USA stieg 2004 um 75 Prozent und in den beiden darauffolgenden Jahren abermals um 35 beziehungsweise 45 Prozent.“ (116) Dies zeige, dass althergebrachte Kennzahlen, wie etwa das BIP, für die Bemessung von ökonomischem Erfolg künftig nicht mehr hinreichend sein werden. Die „neue Unternehmens‑DNA“ (238), die Sukhdev mit dem Buch und der Kampagne „Corporation 2020“ entwirft, orientiert sich an einer Bemessungsgrundlage, die nicht mehr allein auf „physisches Kapital“ (241) abstellt. Zu berücksichtigen seien auch das Natur‑ und Sozialkapital. Würden diese drei Messgrößen zusammen zur normativen Leitschnur unternehmerischen Handelns – das wäre Sukhdevs politisches Plädoyer – dann ließen sich auch für die in den kommenden Dekaden anstehenden globalen Transformationen – Klimawandel und Ressourcenverknappung – tragfähige, in diesem Sinne neue ökonomische Lösungen finden.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.432.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Pavan Sukhdev (Hrsg.): Corporation 2020. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36740-corporation-2020_44817, veröffentlicht am 13.02.2014. Buch-Nr.: 44817 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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