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/ 22.05.2014
Mohamad Spartacus Khiabani

Chinas neue externe (Geo)Politik

Online-Publikation 2013 (http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000014547/Vollstaendig.pdf); 571 S.
Politikwiss. Diss. FU Berlin, Begutachtung: E. Altvater, E. von Mende. – Chinas Aufstieg und seine Bedeutung für die Ordnung der Welt stehen im Mittelpunkt dieser Dissertation. Mohamad Spartacus Khiabani versucht, sich den Ursachen und Konsequenzen der auswärtigen Politik Chinas in einer „dialektischen Beschreibung [...] objektiv, neutral und undiplomatisch“ (9) anzunähern. Er bedient sich mit der Geopolitik dabei einer Denkschule, die sich in Kombination mit sozialdarwinistischen Ansätzen im späten 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere auch in Deutschland großer Beliebtheit erfreute. Durch simplifizierende Vorstellungen gesellschaftlicher Dynamiken und eine Überbetonung geografischer Faktoren bot sich dabei gerade diese Sichtweise der ideologischen Vereinnahmung und machtpolitischen Instrumentalisierung an. Demgegenüber existiert eine neuere, kritische Geopolitik, die angeleitet durch poststrukturalistische Denker versucht, Muster und Rechtfertigungen von Herrschaft offenzulegen. Khiabanis Ansatz kann allerdings keiner der beiden Ausrichtungen zugeordnet werden, sondern sollte eher als marxistisch inspirierte „kapitalistische[.] Geopolitik“ (41) verstanden werden. Hiernach findet die Gestalt der internationalen Beziehungen ihren Ursprung in den gesellschaftlichen Eigentumsverhältnissen der Staaten. Raum gilt für die Funktionsweise kapitalistischer Produktion und Wirtschaft als essenzielles Element, daher zielt „kapitalistische (Geo)Politik […] auf die Kontrolle von Räumen“ (43) ab. Die Entstehung und relative Neuartigkeit der chinesischen Geopolitik steht für den Autor in unmittelbarem Zusammenhang mit dem jüngeren Wandel der sozioökonomischen Strukturen und Klassenverhältnisse des Landes. Die Untersuchung führt ihn durch die unterschiedlichsten Bereiche der chinesischen Außenpolitik in Zentralasien, Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und in der asiatisch‑pazifischen Region. Er verliert sich dabei bisweilen in detaillierten Darstellungen aktueller und vergangener weltpolitischer Entwicklungen, einzelner Episoden chinesischer Politik sowie von Chinas Gegnern und Unterstützern. In welchem Zusammenhang diese ausführlichen Exkurse zum eigentlichen Untersuchungsinteresse stehen, wird nicht immer klar. Zusätzlich leidet der argumentative Wert der Arbeit, weil Belege spärlich ausfallen und Quellenverweise fehlen. Außerdem weist der Text orthografische und formale Mängel auf.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.222.682.674.32.632.65 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Mohamad Spartacus Khiabani: Chinas neue externe (Geo)Politik 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37104-chinas-neue-externe-geopolitik_45350, veröffentlicht am 22.05.2014. Buch-Nr.: 45350 Rezension drucken
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