/ 22.06.2013
Dominik Pick
Brücken nach Osten. Helmut Schmidt und Polen
Bremen: Edition Temmen 2011 (Studien der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung 7); 133 S.; geb., 14,90 €; ISBN 978-3-8378-2012-6Anders als heute galten die deutsch-polnischen Beziehungen über lange Zeiträume hinweg als feindselig und hasserfüllt. Helmut Schmidt ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die sich um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen nach dem Zweiten Weltkrieg verdient gemacht hat. Daher möchte Pick in seinem Buch „die deutsch-polnischen Beziehungen jenseits von Politik- und Wirtschaftsgeschichte aus der Sicht von Bundeskanzler Helmut Schmidt darstellen“ (11). Mit diesem Vorhaben rückt der Autor den menschlichen Faktor, der in der bisherigen Literatur über die deutsch-polnischen Beziehungen nicht oder nur marginal berücksichtigt wurde, in den Mittelpunkt. Durch die Hinzunahme der sozialen Komponente gelingt Pick eine spannende und kurzweilige Analyse, in der deutlich wird, dass große Politik sehr wohl von persönlichen Charakteren, diplomatischem Geschick und dem menschlichen Miteinander bestimmt wird. Konkret arbeitet Pick heraus, dass das freundschaftliche Verhältnis zwischen Helmut Schmidt und Edward Gierek entscheidend zur Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen beitrug, insbesondere auch dadurch, dass Schmidt trotz schleppend verlaufender offizieller Verhandlungen nach insgesamt fünf vertraulichen Gesprächen mit dem polnischen Politiker der Verständigung zum Durchbruch verhalf. Dieses Engagement Schmidts koppelt Pick auch an die politische Lage in Deutschland und Polen sowie die Geschichte beider Länder zurück, wodurch Misstrauen, Stillstand und Rückschläge in den Beziehungen erklärbar sowie die Wichtigkeit der persönlich-menschlichen Dimension hervorgehoben werden. Entgegen der bisherigen Beurteilung kann Pick zeigen, dass Schmidt die Ostpolitik Willy Brandts nicht nur fortgesetzt hat, ihm muss auch ein selbstständiger Anteil an ihrer Entwicklung und Gestaltung zugeschrieben werden.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.21 | 2.3 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Dominik Pick: Brücken nach Osten. Bremen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35222-bruecken-nach-osten_42415, veröffentlicht am 02.08.2012.
Buch-Nr.: 42415
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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