/ 19.09.2013
Martin Meyer (Hrsg.)
Brennpunkte im Weltgeschehen
Zürich: Neue Zürcher Zeitung 2013 (Sozialwissenschaftliche Studien des schweizerischen Instituts für Auslandsforschung Neue Folge 39); 178 S.; 30,- €; ISBN 978-3-03823-825-6Dieses Jahrbuch des Schweizerischen Instituts für Auslandsforschung ist eine Sammlung von Vorträgen, die hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Jahr 2012 gehalten haben. Der Titel „Brennpunkte im Weltgeschehen“ ist dabei etwas irreführend: Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Verwerfungen, die durch die Wirtschafts‑ und Finanzkrise hervorgerufen wurden. Zudem ziehen sich die Verschiebungen in der globalen Ökonomie als roter Faden durch die Beiträge. Vorteilhaft sind dabei die unterschiedlichen Perspektiven aus historischer, soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Sicht. Die Autoren teilen ein kritisches Bild der Europäischen Union. Die wesentlichen Probleme werden jedoch nicht nur in den Institutionen, sondern vielmehr in der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltspolitik der EU‑Staaten gesehen. So hebt Christine Lagarde die Bedeutung der finanziellen Stabilität für das Wirtschaftswachstum hervor, wobei sie sich deutlich für eine höhere Solidarität der Staaten untereinander und eine verbesserte Krisenkooperation ausspricht. In weiteren Beiträgen werden die Rolle und die Verantwortung der Finanzwelt in der Krise thematisiert, wobei sich die Autoren insgesamt für kohärentere als auch weitreichendere Regulierungen sowie für mehr moralische Standards aussprechen. Es schließen sich Länderanalysen Frankreichs und der Schweiz an. Hierbei wird deutlich, wieso gerade die Eidgenossenschaft „bemerkenswert gut unterwegs“ (110) ist. Die französische Regierung steht dagegen vor großen Herausforderungen, da grundlegende Strukturreformen auch nach der Wahl François Hollandes bislang ausgeblieben sind, was den Handlungsdruck jedoch zunehmend erhöht. Der Beitrag von Wolfgang Clement beschließt den Band. Zwar sieht er die Krisenländer Europas insgesamt auf einem guten Wege, doch geht es „nun wirklich um Konsolidierung und strukturelle Reformen, das heißt ein Zurückfahren der öffentlichen Ausgaben und die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt“ (161). Aus dem thematischen Rahmen fällt lediglich der Beitrag von Alice Schwarzer, die auf die aktuelle Geschlechterdebatte eingeht. Zur Weltwirtschaftskrise hat sie nur so viel anzumerken, dass diese „quasi ausschließlich, wahrscheinlich zu 99,99 Prozent von Männern verursacht ist“ (55). Insgesamt liefern die Aufsätze interessante und teils gegensätzliche Ansichten aus verschiedenen Perspektiven, sodass die Komplexität der Krise gut beleuchtet wird.
Fabrice Gireaud (FGI)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand und wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
Rubrizierung: 1.3 | 2.2 | 2.3 | 3.6 | 4.43 | 2.61 | 2.5
Empfohlene Zitierweise: Fabrice Gireaud, Rezension zu: Martin Meyer (Hrsg.): Brennpunkte im Weltgeschehen Zürich: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36196-brennpunkte-im-weltgeschehen_44054, veröffentlicht am 19.09.2013.
Buch-Nr.: 44054
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand und wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
CC-BY-NC-SA