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/ 31.10.2013
Bernd Kuzmits

Borders and Orders in Central Asia. Transactions and Attitudes between Afghanistan, Tajikistan and Uzbekistan

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Weltregionen im Wandel 15); 388 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-8487-0153-7
Politikwiss. Diss. Koblenz‑Landau; Begutachtung: S. Schmidt. – Das Gebiet um den Amudarja‑Fluss, der für Afghanistan die Grenze sowohl zu Usbekistan als auch zu Tadschikistan markiert, ist ein zentraler ökonomischer Umschlagsplatz, der aufgrund seiner geografischen Lage zugleich zu politischen Spannungen zwischen den Ländern und zu einem erhöhten Aufkommen von Drogenkriminalität führt. Bernd Kuzmits arbeitet in seiner Dissertation die fördernden und hemmenden Faktoren für die grenzüberschreitenden Interaktionen in diesem Gebiet heraus. Auf der Grundlage intensiver Feldforschung stellt Kuzmits fest, dass keine unilinearen Kausalitäten existieren, die die grenzüberschreitenden Interaktionen erklären könnten. Die Faktorenbündel, die über die Intensität des Austausches bestimmten, variierten von Grenze zu Grenze oder im Fall der tadschikisch‑afghanischen Grenze von Grenzabschnitt zu Grenzabschnitt. So seien es in der bergigen Grenzregion Badakschan die über die Grenzen hinaus wahrgenommenen kulturellen Gemeinsamkeiten in Kombination mit der geteilten Erfahrung, in der Peripherie zu leben, und die harten Lebensbedingungen in dieser Region, die die grenzüberschreitenden Interaktionen beförderten. Die letzten beiden Faktoren verursachten eine gegenseitige Abhängigkeit, die im Zusammenhang mit den ökonomischen Bedürfnissen als wichtigste Einflussgröße für den Austausch über die Grenzen hervorzuheben seien. Diese Erklärung gewinnt vor allem im Kontrast zu der Untersuchung der grenzüberschreitenden Interaktion zwischen Usbekistan und Tadschikistan an Plausibilität. Dem Autor zufolge seien die Grenzen hier nicht aufgeweicht, sondern verstärkten sich, da sie zunehmend militarisiert worden seien. Zwar gebe es auch hier kulturelle Gemeinsamkeiten im Grenzgebiet, und es lägen relativ ungünstige Bedingungen sowie der Peripheriestatus vor, doch seien diese Aspekte vergleichsweise unbedeutend. Im Unterschied zum ersten Fall haben sich die Bevölkerungsgruppen entfremdet, was sich am Verfall des Sozialkapitals ablesen lasse. Die Grenzen wirkten so auch als Identitätsmarker. Zusammenfassend führt der Autor die Intensität der grenzüberschreitenden Interaktionen auf die ökonomischen Interdependenzen zurück.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.684.54.412.21 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Bernd Kuzmits: Borders and Orders in Central Asia. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36342-borders-and-orders-in-central-asia_44098, veröffentlicht am 31.10.2013. Buch-Nr.: 44098 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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