/ 21.11.2013
Steven Van Wolputte (Hrsg.)
Borderlands and Frontiers in Africa
Wien/Berlin: Lit 2013 (Afrikanische Studien 40); XII, 240 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-90333-4In dem Sammelband wird anhand verschiedener Fallstudien und aus Sicht der betroffenen Bewohner die konkrete Beschaffenheit des Lebens in der Nähe von realen oder vorgestellten Grenzen thematisiert. Das Grenzland, so führt der Herausgeber in seinem einleitenden Beitrag aus, erweist sich als ein Raum, in dem verschiedene Einflusssphären und Vorstellungen einander überlappen. Sie sind damit weitaus mehr als geografische Markierungen für das Ende eines und den Beginn eines anderen Territoriums. Das Grenzland wird vorgestellt als „a shifting place, time or domain where competing discourses and regimes of power overlap“ (3). Alle in dem Band präsentierten Fallstudien zu dieser komplexen Vorstellung von Grenzland sind auf dem afrikanischen Kontinent angesiedelt. So untersucht Ana Christa Roque in ihrem historisch‑rekonstruktiv akzentuierten Beitrag am Beispiel Mosambiks, anhand welcher politischen und topografischen Gegebenheiten die Portuguese Commission of Cartography (PCC) die Grenzen des Landes festlegte. Dabei sind nicht nur, so eine ihrer Einschätzungen, machtpolitische Interessen der Kolonialmacht, sondern vielfach auch geografische Gegebenheiten ausschlaggebend gewesen, die zur Festlegung der – hinsichtlich der Nichtberücksichtigung der indigenen Bevölkerung – willkürlich gezogenen Grenzen geführt haben. Aus religionssoziologischer Perspektive fragt Ira Dworkin, inwiefern die aus Afroamerikanern zusammengesetzte presbyterianische Mission im Kongo inneramerikanische Rassenunterschiede – die man auch als Rassengrenze beschreiben kann – in die Missionstätigkeit im Kongo hineinprojiziert hat. Der nachhaltige Wille einiger weniger zentraler Figuren der Mission, so ihre Einschätzung, sei dafür ausschlaggebend gewesen, dass vor dem Hintergrund der amerikanischen Erfahrungen mit Sklaverei und Rassentrennung eine besonders kritische Haltung zu kolonialistischen Praktiken eingenommen worden sei. Allein diese beiden Beiträge vermögen schon darauf hinzuweisen, wie variantenreich die Thematik, die der Sammelband adressiert, in den konkreten Einzelstudien ausgedeutet werden kann – bis hin zu dem Punkt, dass das eigentliche Bindeglied, die gemeinsame Fragestellung, aus den Augen zu geraten droht.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.67 | 4.42 | 2.23 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Steven Van Wolputte (Hrsg.): Borderlands and Frontiers in Africa Wien/Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36419-borderlands-and-frontiers-in-africa_42681, veröffentlicht am 21.11.2013.
Buch-Nr.: 42681
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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