/ 22.06.2013
Ruprecht Polenz
Besser für beide. Die Türkei gehört in die EU. Ein Standpunkt
Hamburg: edition Körber-Stiftung 2010; 107 S.; brosch., 10,00 €; ISBN 978-3-89684-141-4Die Türkei habe eine faire Chance auf Vollmitgliedschaft verdient, so der prominente CDU-Außenpolitiker Polenz. Mit seinem „Plädoyer für einen Beitritt der Türkei in die Europäische Union unter der Voraussetzung, dass die Kopenhagener Beitrittskriterien nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der gelebten Praxis voll und ganz erfüllt werden“ (7), widerspricht er seiner Partei und untermauert seine Position durch eine Fülle an Argumenten. Zwei Hauptgründe für eine grundsätzliche Gegnerschaft identifiziert er. Erstens gebe es eine kulturelle, insbesondere religiöse Verschiedenheit der Türkei zur EU. Zweitens sei eine handlungsfähige politische Union nach dem Beitritt eines so großen Landes wie der Türkei nicht mehr gegeben. Polenz entkräftet diese als „‚K. o.-Kriterien’“ (7) vorgebrachten Einwände der Beitrittsgegner durch viele überzeugende Argumente. Der Politiker gelangt zu dem Ergebnis, dass der Beitrittsprozess der Türkei der EU die Möglichkeit eröffnen würde, „ein aufgeklärtes Verständnis ihrer eigenen Identität zu entwickeln und jahrhundertealte stereotype Selbst- und Fremdbilder zu überwinden“ – beide Seiten hätten demnach Vorteile. Die feste Verankerung der Türkei in die EU würde das Land dauerhaft vor nationalistischen oder islamistischen Gefährdungen schützen. Mit der Türkei als Mitglied könne die EU ihre stabilisierende Wirkung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft – im Nahen Osten, im Kaukasus und in der Schwarzmeer-Region – „wirkungsvoll verstärken und ihre Energieversorgungssicherheit erhöhen“ (97). Zudem würde eine demokratische, rechtsstaatliche Türkei, die Minderheiten respektiere, nicht nur den Ländern mit muslimischer Bevölkerung demonstrieren, „dass Islam, Rechtsstaat und Demokratie zum Wohl der Menschen miteinander vereinbar sind“ (98). Folglich kritisiert Polenz die Idee, der Türkei eine Privilegierte Partnerschaft anstelle der Mitgliedschaft anzubieten.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.6 | 3.1 | 2.63 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Ruprecht Polenz: Besser für beide. Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32512-besser-fuer-beide_38800, veröffentlicht am 19.07.2010.
Buch-Nr.: 38800
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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