/ 05.06.2013
Xuewu Gu
Ausspielung der Barbaren. China zwischen den Supermächten in der Zeit des Ost-West-Konfliktes
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998; 337 S.; brosch., 86,- DM; ISBN 3-7890-5684-7Habilitationsschrift Freiburg. - Die einzige Großmacht, die während des Ost-West-Konfliktes die Front gewechselt und sich später auch von den beiden Supermächten als Bündnispartner distanziert hat, ist die Volksrepublik China gewesen. Chinas Politik war in dieser Auseinandersetzung geprägt durch ein beständiges Schwanken beziehungsweise Schaukeln. Im Gegensatz zu anderen Großmächten war bei China keine feste Bindung an oder eine Integration in einen Supermacht-Block festzustellen. China hat sich vielmehr als wandernder Akteur zwischen Ost und West bewegt. Das Konzept, durch das gegenseitige Ausspielen der Gegner die eigenen Positionen zu verbessern, ist von chinesischen Führungen bereits in früheren Jahrhunderten zu einer umfassenden Strategie ausgebaut worden und entwickelte sich zum festen Bestandteil einer außenpolitischen Kultur, auf die die kommunistische Regierung nach 1945 zurückgreifen konnte. Denn auch die "Schaukelpolitik" der Volksrepublik gegenüber den beiden Supermächten USA und UdSSR während des Ost-West-Konflikts ist, wie der Autor unterstreicht, nur auf der Basis dieser Strategie zu verstehen. Sie erlaubte China, sich der Konfrontation der beiden Supermächte zu entziehen und sich im Rahmen der bipolaren Struktur der Weltpolitik zu behaupten. Anhand einer systematischen Analyse der drei zentralen Weichenstellungen der chinesischen Außenpolitik während des Ost-West-Konflikts zeigt Gu, der am Zentrum für Europäische Integrationsforschung in Bonn tätig ist, die verschiedenen Varianten der "Ausspielung der Barbaren" auf und offeriert dabei wichtige Einblicke in die chinesische Binnensicht.
Inhaltsübersicht: Einleitung: Chinas Schaukeln zwischen den Supermächten: Ein ungelöstes Rätsel der Chinaforschung: A. Die konkurrierenden Forschungsansätze; B. Brüche und Kontinuitäten zwischen den kaiserlichen außenpolitischen Tradition und der kommunistischen internationalen Strategie; C. Die Strategie der "Ausspielung der Barbaren" als ein theoretischer Ansatz und analytisches Raster. I. Die Option für die Sowjetunion beim Ausbruch des Kalten Krieges: A. Der Kalte Krieg, die amerikanisch-sowjetische Einflußkonkurrenz und Chinas Hinwendung zur Sowjetunion; B. Vom "Kamerad" zum "Feind": Die Bedrohungsperzeption gegenüber den Vereinigten Staaten als psychologische Grundlage für die Hinwendung zur Sowjetunion; C. Verlockung und Anpassung: Werbung um eine sowjetische Partnerschaft. II. Die Annäherung an die Vereinigten Staaten am Vorabend der Ost-West-Entspannung: A. Das Scheitern der sino-sowjetischen Allianz und die Zunahme der chinesischen Bedrohungsperzeption gegenüber der Sowjetunion; B. Washington, Beijing und Moskau: Die Entstehung der Dreiecksdiplomatie und die gegenseitige Ausspielung; C. Kissinger und seine "China-Karte": Washingtons Nutzenerwartung von der sino-amerikanischen Verständigung. III. Von der Allianzpolitik zur Diplomatie der Äquidistanz: Der Strategiewechsel beim Wiederaufflammen des Ost-West-Konfliktes nach der Ära der Entspannung: A. Der "Zweite Kalte Krieg" und die Diplomatie der Äquidistanz; B. Die Taiwan-Frage und das Ende der sino-amerikanischen strategischen Partnerschaft; C. Die Sowjetunion als Herausforderung und Chance: Die kontrollierte Annäherung an Moskau.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.68 | 4.42 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Xuewu Gu: Ausspielung der Barbaren. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8339-ausspielung-der-barbaren_11000, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11000
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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