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/ 11.06.2013
Daniel Eisermann

Außenpolitik und Strategiediskussion. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik 1955 bis 1972

München: R. Oldenbourg Verlag 1999 (Schriften des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V.: Reihe: Internationale Politik und Wirtschaft 66); X, 335 S.; 68,- DM; ISBN 3-486-56338-6
Politikwiss. Diss. Bonn; Gutachter: H.-P. Schwarz. - Eisermann rekonstruiert die Herausbildung und Wirkungsweise der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) bis zum Beginn der siebziger Jahre. Dabei geht es ihm nicht darum, direkte politische Konsequenzen ihrer Arbeit nachweisen zu wollen, wenngleich er feststellt, daß "die bedeutenden Einschnitte in der Geschichte der DGAP mit größeren und kleineren Zäsuren der deutschen Außenpolitik koinzidieren" (8). Vielmehr unterstreicht er die "informellen Ausstrahlungseffekte" (4) der Gesellschaft. So sieht er etwa den Aufbau eines persönlichen Netzwerkes zwischen Wissenschaft und Politik sowie die Anknüpfung dieses Netzwerk an die "strategic communities" anderer Staaten als eine der Hauptleistungen der DGAP an. Im einzelnen will Eisermann die institutionelle Ausprägung, die Entwicklung des Expertenkonsenses und schließlich die Herausbildung von "praxisorientierten Forschungsstilen" (5) nachweisen. Dabei zeigt er, wie die konzeptionelle und organisatorische Ausrichtung der DGAP und ihrer Vorläuferinstitutionen vom angelsächsischen Modell des Chatham House bzw. des Council on Foreign Relations geprägt waren. Diese Orientierung gehe vor allem auf Wilhelm Cornides zurück, dessen Vorstellungen zudem von einer deutlichen Anlehnung an das Erbe des deutschen Widerstandes geprägt gewesen seien. Sein Einfluß sei zeitweise durch andere Einflüsse wie etwa der kultursoziologischen Methode des ersten Institutsdirektors Arnold Bergstraesser relativiert bzw. ergänzt worden. Für seine Untersuchung hatte Eisermann ungehinderten Zugang zu allen archivalischen Materialien und Dokumentationen der Gesellschaft. Neben der Auswertung der umfangreichen und vielfältigen Publikationen der DGAP hat er eine Reihe von Interviews mit führenden Persönlichkeiten der DGAP aus dem Untersuchungszeitraum angestellt. Diese wurden durch einige private Nachlässe ergänzt. Besondere Erwähnung verdient dabei die erstmalige systematische Auswertung des Nachlasses von Cornides. Neben den konzeptionellen Einflüssen macht Eisermann aber auch auf die besonders in den ersten Jahren ständig gegebene Frage des finanziellen Fortbestehens der Gesellschaft und ihrer Aktivitäten aufmerksam. Deutlich unterstreicht er in diesem Zusammenhang die Verbindung zu führenden Persönlichkeiten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und anderer Stiftungen. Eisermanns Studie ist eine willkommene Selbstvergewisserung der Wurzeln und Entwicklung der Außenpolitikforschung sowie einiger Aspekte der politikwissenschaftlichen Lehre von den internationalen Beziehungen in der Bundesrepublik Deutschland.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 4.21 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Daniel Eisermann: Außenpolitik und Strategiediskussion. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9760-aussenpolitik-und-strategiediskussion_11498, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11498 Rezension drucken
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