/ 11.06.2013
Alexandra Größ
Aufbruch in ein neues Währungszeitalter. Deutsch-französiche Währungsbeziehungen zwischen internationalen, europäischen und nationalen Anforderungen
Opladen: Leske + Budrich 1999 (Forschung Politikwissenschaft 32); 278 S.; kart., 56,- DM; ISBN 3-8100-2356-6Diss. München. - Wenn ab 2002 die Euro-Banknoten und -Münzen in Umlauf kommen, dann endet damit eine währungspolitische Entwicklung, die seit Anfang der 70er Jahre im Gange war. Der Weg zur einheitlichen Währung war allerdings geprägt durch "die höchst widersprüchlichen nationalen Interessenlagen, unterschiedliche Zielprioritäten und kontroversen Abstimmungsprobleme" (10), so wie sie schon im Europäischen Währungssystem bekannt waren. Auf den Spuren der Entwicklung zur Währungsunion verfolgt Größ zwei theoretische Ansätze: den neofunktionalistischen Ansatz, dessen Vertreter annehmen, dass die Integration auf einem Politikfeld die Integration auf anderen Feldern nach sich ziehen wird; und den neorealistischen Ansatz, der sich als eine Kritik der neofunktionalistischen Theorie versteht, denn der von den Neofunktionalisten erwartete spill-over eines Integrationsprozesses in andere Politikbereiche blieb genau an der Stelle stehen, wo die nationalen Interessen höher bewertet wurden als die Integration. Die Autorin stellt den Zusammenhang zwischen neofunktionalistischem Ansatz und Interdependenztheorie her, die darauf hinaus läuft, den Grad der Integration aufgrund der nationalen Interessenlagen zu bestimmen. Oder anders formuliert: "Zentrale Akteure im Entscheidungsprozess auf dem Weg zur Europäischen Wirtschaft- und Währungsunion sind danach die Mitgliedstaaten." (12) Nun ist diese Feststellung nicht überraschend, aber am Beispiel der deutsch-französischen Währungsbeziehungen wird deutlich, wie die unterschiedlichen Interessenlagen in den Entscheidungsprozess hinein wirken, welcher der Partner aus welchen Motiven heraus die Entwicklung vorantreibt oder bremst. Insofern kann die Autorin im historischen Rückblick zeigen, dass der Ansatz zur Währungsunion aus Frankreich kam, während die Bundesrepublik Deutschland hier eher nachzog. Die spätere Verständigung war eindeutig durch den politischen Willen Mitterands und Kohls bestimmt, die bei ihrer Entscheidung für den Euro bewusst Sachfragen ausschlossen.
Inhaltsübersicht: 1. Ziel und Methode; 2. Stationen der Geld- und Währungspolitik: 1945-1983; 3. Konzeptionelle und institutionelle Grundlagen; 4. Globaler Wettbewerb und die Dollar-/D-Mark-Zange; 5. Aus dem Schatten der D-Mark treten; 6. Die zweite Seite der Medaille.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.21 | 4.22 | 3.5 | 2.61 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Alexandra Größ: Aufbruch in ein neues Währungszeitalter. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10298-aufbruch-in-ein-neues-waehrungszeitalter_12182, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12182
Rezension drucken
Dr., Historiker.
CC-BY-NC-SA