/ 22.06.2013
Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.)
Archiv für Sozialgeschichte. 51. Band 2011
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2011; XVIII, 782 S.; Ln., 68,- €; ISBN 978-3-8012-4205-3Die Autoren befassen sich im 51. Band des Archivs für Sozialgeschichte mit dem Rahmenthema „Säkularisierung und Neuformierung des Religiösen. Gesellschaft und Religion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Einleitend konzeptionalisiert Benjamin Ziemann den Begriff der Säkularisierung „nicht einfach synonym mit dem Abnehmen oder dem Niedergang der Religion“ (9). Vielmehr wird Säkularisierung als „Prozess des rapiden Umbaus und der Neujustierung religiöser Institutionen, Semantik und Praktiken angesichts der Herausforderung des religiösen Felds durch Prozesse funktionaler Differenzierung“ (10) beschrieben. Insofern wird in den weiteren Aufsätzen auch ein sehr breites Feld abgehandelt. Auf der einen Seite stehen Beiträge, in denen sich die Autoren eher mit Fragen veränderter religiöser Praxis und Bedeutung in europäischen und außereuropäischen Gesellschaften befassen. So untersucht Jörg Haustein etwa die Pfingstbewegung oder wendet sich Detlef Pollack der vermeintlichen Renaissance von Religion in den osteuropäischen Transformationsgesellschaften zu. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Beiträge, in denen stärker die politischen Implikationen betrachten werden. In diesem Zusammenhang stellt Rainer Hering etwa das schwierige Verhältnis von deutscher Sozialdemokratie zur evangelischen und katholischen Kirche dar, während Franco Garelli die katholische Hegemonie im Nachkriegsitalien untersucht. Garelli stößt dabei auf einige Paradoxien der italienischen Gesellschaft, die sich nicht einfach mit der Säkularisierung erklären lassen. Besonders interessant sind die Beiträge der Autoren, die sich mit nicht-christlichen Religionsgemeinschaften befassen. Thomas Mittmann geht der kirchlichen Wahrnehmung des Islams in Deutschland nach und Michael Brenner beschäftigt sich mit der Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland. Leora Auslander betrachtet die Alltagswahrnehmung nicht-christlicher Religionen im heutigen Europa. Bei der Auswahl der Beiträge ist darüber hinaus offensichtlich versucht worden ist, eine zu starke Europazentrierung zu vermeiden, weswegen einzelne Artikel Asien, Nordamerika und der Subsahara gewidmet sind. Dennoch ist bedauerlich, dass gerade vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings die Rolle des politischen Islam nicht gewürdigt wird. Im Abschnitt der Sammelrezensionen und Forschungsberichte ist Beatrix Bouviers Zusammenstellung über 20 Jahre Mauerfall und Deutsche Einheit besonders erwähnenswert, weil die Autorin sich darin nicht nur die Mühe gemacht hat, die wissenschaftliche Literatur zum Thema zu sichten, sondern ausführlich auf Internetportale und die filmisch-literarische Auseinandersetzung mit dem Thema eingeht.
Stephan Klecha (SKL)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.64 | 2.65 | 2.67 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Archiv für Sozialgeschichte. 51. Band 2011 Bonn: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34486-archiv-fuer-sozialgeschichte-51-band-2011_41421, veröffentlicht am 15.12.2011.
Buch-Nr.: 41421
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
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