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/ 30.04.2015
Petra Wild

Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Der zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat

Wien: Promedia 2013; 3. Aufl.; brosch., 15,90 €; ISBN 978-3-85371-355-6
„Die Realität in Palästina wird besonders in Deutschland verdeckt durch einen dichten Schleier aus Desinformation und Manipulation.“ (8) Bereits der erste Satz zeigt die Stoßrichtung Petra Wilds: Die Deutschen müssten endlich aufmerksam gemacht werden auf den Siedlerkolonialismus Israels – entgegen der selbstverordneten Blindheit aufgrund einer historischen Schuld, die durch Manipulationen mittels instrumentalisierter Antisemitismusvorwürfe verstärkt werde. Der reine Siedlerkolonialismus – hier bezieht sich Wild auf den Historiker Jürgen Zimmerer – ziele auf die ausschließliche Aneignung von Land, die einheimische Bevölkerung werde dabei „entweder Opfer breitflächiger ethnischer Säuberungen, Segregation und Einsperrung oder eines Genozids“ (12). Dies entspreche dem Ziel der zionistischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts: „die Ersetzung der einheimischen Bevölkerung [Palästinas] durch eine europäische Siedlerbevölkerung“ (15), was durch die Vertreibungen seit 1948 belegt sei. Durch das religiös‑ethnische Staatsverständnis Israels sei die Apartheid in ihm bereits tendenziell angelegt, so die Autorin. Zudem finde der „institutionalisierte Rassismus des israelischen Apartheidsystems […] seine Fortsetzung im Alltagsrassismus der jüdisch‑israelischen Bevölkerung“ (73), erkennbar schon in den Darstellungen von Palästinensern in Schulbüchern und den israelischen Medien sowie im entmenschlichenden Sprachgebrauch. Im Westjordanland seien die alltäglichen Benachteiligungen besonders sichtbar geworden: Der Begriff duale Geografie erkläre am besten die „Schaffung zweier getrennter Welten, in denen es Zugriff auf Land und Wasser, privilegierten Zugang zu Infrastruktur und Vergünstigungen aller Art für die Siedler und Entrechtung, Enteignung und Vertreibung für die einheimische Bevölkerung gibt“ (114). Grund zur Hoffnung sieht Wild in der neu erwachten Debatte um eine Ein‑Staat‑Lösung, in der Palästinenser und zionismuskritische Israelis Seite an Seite stünden. Gemeinsam würden so „in einem basisdemokratischen Prozess Vorstellungen für eine bessere Zukunft für beide Gesellschaften“ (213) entwickelt.
{SWI}
Rubrizierung: 2.634.414.42 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Petra Wild: Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Wien: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/38343-apartheid-und-ethnische-saeuberung-in-palaestina_43694, veröffentlicht am 30.04.2015. Buch-Nr.: 43694 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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