/ 17.06.2013
Hartmut Häußermann / Martin Kronauer / Walter Siebel
An den Rändern der Städte. Armut und Ausgrenzung
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004; 344 S.; 13,- €; ISBN 3-518-12252-5Die öffentliche Debatte beginnt sich darauf einzustellen, dass Armut in die westlichen Wohlfahrtsgesellschaften zurückgekehrt ist. Wie die einschlägige Forschung zeigt, lassen sich Verarmungsprozesse vor allem in (europäischen) Großstädten beobachten. Verantwortlich dafür sind vor allem drei längerfristige Trends: die Erosion des Beschäftigungssystems, der Abbau sozialstaatlicher Leistungen und schließlich die zunehmende Liberalisierung der Wohnungsmärkte. Bisher ist in der sozialwissenschaftlichen Debatte jedoch strittig, ob und in welcher Hinsicht die „neue Armut" auf eine veränderte soziale Realität verweist, die mit der traditionellen Begrifflichkeit der Sozialstrukturforschung nicht mehr eingefangen werden kann. Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes diskutieren diese Lage einerseits in konzeptioneller Hinsicht - hier steht die Auseinandersetzung zwischen dem amerikanischen Ansatz der „new urban underclass" und dem in Europa präferierten Konzept der Ausgrenzung beziehungsweise Exklusion im Vordergrund (43 ff.). Andererseits geht es um aktuelle empirische Tendenzen; dabei werden sowohl Unterschiede der Armutskonstellationen amerikanischer und europäischer Metropolen behandelt als auch Fallstudien zur Entwicklung in deutschen Großkommunen (Berlin, Bremen, Hamburg, Bielefeld) vorgestellt. Die Beiträge beruhen auf zwei Symposien über „Urban Underclass und Ausgrenzung", die von der Humboldt-Universität Berlin beziehungsweise dem Hanse Wissenschaftskolleg in Delmenhorst veranstaltet worden sind.
Aus dem Inhalt:
Einleitung:
Hartmut Häußermann / Martin Kronauer / Walter Siebel:
Stadt am Rand: Armut und Ausgrenzung (7-40)
1. Theoretische Konzepte
Alice O'Connor:
Rasse, Klasse und Ausgrenzung: Das Konzept der Unterklasse in historischer Perspektive (43-70)
Serge Paugam:
Armut und soziale Exklusion: Eine soziologische Perspektive (71-96)
2. Ausgrenzung in Europa und in den USA
Godfried Engbersen:
Zwei Formen der sozialen Ausgrenzung: Langfristige Arbeitslosigkeit und illegale Immigration in den Niederlanden (99-121)
Paul A. Jargowsky:
Die metropolitanen Gebiete der USA: Strukturwandel und Stadtpolitik (122-147)
Loïc J. D. Wacquant:
Roter Gürtel, Schwarzer Gürtel: Rassentrennung, Klassenungleichheit und der Staat in der französischen städtischen Peripherie und im amerikanischen Ghetto (148-199)
3. Fallstudien in Deutschland
Hartmut Häußermann / Andreas Kapphan:
Berlin: Ausgrenzungsprobleme in einer europäischen Stadt (203-234)
Martin Kronauer / Berthold Vogel:
Erfahrung und Bewältigung von sozialer Ausgrenzung in der Großstadt: Was sind Quartierseffekte, was Lageeffekte? (235-257)
Peter Bremer / Norbert Gestring:
Migranten - ausgegrenzt? (258-285)
Andreas Farwick:
Segregierte Armut: Zum Einfluß städtischer Wohnquartiere auf die Dauer von Armutslagen (286-314)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 2.22 | 2.2 | 2.325 | 2.331 | 2.61 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Hartmut Häußermann / Martin Kronauer / Walter Siebel: An den Rändern der Städte. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15490-an-den-raendern-der-staedte_17652, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17652
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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