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/ 20.06.2013
Claus Kleber

Amerikas Kreuzzüge. Was die Weltmacht treibt

München: C. Bertelsmann 2005; 285 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-570-00834-7
Kleber hat lange Jahre seines Berufslebens als Korrespondent in den Vereinigten Staaten verbracht, und in seinen Reportagen scheint immer wieder eine kritische Liebe zu dem Land durch. Im Mittelpunkt seines Buches steht jedoch George Bush: „Die Herkunft dieses Mannes, die Arbeitsweise seines Apparats, die Wurzeln und die Wirkungen seiner Überzeugungen will dieses Buch beschreiben.“ (14) So macht sich der Reporter auf die Suche danach, woher die Soldaten kommen, die für Amerika in aller Welt kämpfen. Er reist mit dem Kandidaten auf Wahlkampftour durch die Lande und spürte in Bushs Heimat Midland/Texas dessen Wurzeln nach. Er schildert das religiöse evangelikale Milieu, aus dem der „wiedergeborene“ Baptist Bush seine Machtbasis in der Bevölkerung und seine unerschütterlichen Überzeugungen zieht. Und er spricht immer wieder mit den Mitarbeitern des 43. US-Präsidenten. Quasi im Vorübergehen gelingen ihm dabei treffende Charakterisierungen. So ist für ihn Bushs unverzichtbarer Strippenzieher im Hintergrund, Karl Rove, „ein hyperaktiver Mann mit der cherubinischen Ausstrahlung eines eifrigen Vorbeters“ (24). Besonders eindringlich gelingt Kleber die Darstellung der amerikanischen Reaktion auf den 11. September. Gleichwohl zieht er ein negatives Fazit von Bushs ersten vier Jahren: „In Bushs erster Amtszeit schwankte die amerikanische Regierung zwischen Arroganz und Angst. Die Verbindung von beidem war fatal.“ (130) Kleber beschreibt treffend die Polarisierung sowohl innerhalb der amerikanischen Gesellschaft als auch im Verhältnis zu Europa. Viel tiefere Gräben findet er in Afghanistan und im Irak, den Schauplätzen der Versuche Bushs, weltpolitische Ordnung nach seiner Façon zu schaffen. Klebers Reportagen aus diesen beiden Ländern füllen den zweiten Teil des Buchs. Sie sind teils spannend zu lesen und es gelingt dem Autor auf unaufdringliche Weise zu zeigen, wie dort auf einmal alle Gewissheiten in einem undurchdringlichen Gewirr an lokalen Sonderinteressen, religiösem Fanatismus und zu allem entschlossenem Terrorismus im Sande verlaufen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.644.22 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Claus Kleber: Amerikas Kreuzzüge. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23467-amerikas-kreuzzuege_26935, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 26935 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA