/ 22.06.2013
John Krige / Helke Rausch (Hrsg.)
American Foundations and the Coproduction of World Order in the Twentieth Century
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2012 (Schriftenreihe der FRIAS School of History 4); 301 S.; 44,95 €; ISBN 978-3-525-31043-4Im Zentrum dieses Tagungsbandes steht die Frage, inwieweit US-amerikanische Wissenschafts- und Philanthropie-Stiftungen (also Carnegie, Rockefeller und, nach 1945, Ford) nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und bis in die 1970er-Jahre hinein dazu beigetragen haben, die Idee des American Way of Life und die „American-style democracy“ (7) im Rahmen einer Art „Modernisierungsmission“ (85) global zu transportieren und zu verankern. Dabei versuchen sich die Autoren sowohl an langfristigen Überblicksdarstellungen als auch an Detailproblemen des „US philantropic [...] power-nexus“ (9). In langfristiger Perspektive fällt – kaum überraschend – auf, dass sich für alle Stiftungen gleichermaßen das Problem stellte, zwischen „Neutralität und Universalismus“ einerseits und „einer amerikanisch-westlich fundierten Agenda inklusive entsprechender politischer Wertvorstellungen“ (174) andererseits lavieren zu müssen. Wie Nicole Sackley in ihrem Beitrag über das Büro der Ford-Foundation in Neu Delhi festhält, führte diese Grundproblematik im konkreten Einzelfall zu einer wechselseitigen Anpassung. Die dabei auf US-amerikanischer wie auf indischer Seite zu konstatierenden Rücksichtnahmen auf regierungspolitische Befindlichkeiten mündeten indes in eine weitgehende Vernachlässigung jener Parteien und Akteure in Indien, die mit der Nehru-Politik nicht in Einklang standen. Was der Band – trotz aller historischen Genauigkeit – jedoch ausblendet, sind jene politischen, sozialen und ökonomischen Faktoren, die für den Untersuchungszeitraum das ausmachen, was doch recht nebulös als globale Arena bezeichnet wird – die war nämlich 1918 eine gänzlich andere als 1945 und 1970. Die teilweise deutsch-, französisch- und englischsprachigen Beiträge dieses eher geschichtswissenschaftlich orientierten Bandes gehen zurück auf eine Konferenz, die im Juli 2010 unter dem Titel „US-Foundations and the Power Politics of Knowledge Circulation in the Global Arena“ am Freiburger Forschungskolleg für Geschichtswissenschaften (FRIAS) stattgefunden hat.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.64 | 2.22 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: John Krige / Helke Rausch (Hrsg.): American Foundations and the Coproduction of World Order in the Twentieth Century Göttingen: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35333-american-foundations-and-the-coproduction-of-world-order-in-the-twentieth-century_42556, veröffentlicht am 13.09.2012.
Buch-Nr.: 42556
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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