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/ 22.06.2013
Melanie Feuerbach

Alternative Übergangsrituale? Untersuchung zu Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung im subsaharischen Afrika und deren Transformationen im Entwicklungsprozess

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Armut und Entwicklung); 311 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-18061-8
Sozialwiss. Diss. Bremen; Gutachterin: M. von Freyhold. – Das Risiko, bei einer Geburt zu sterben, ist für Frauen im Afrika südlich der Sahara besonders hoch. Die Autorin sieht hierin eine schwerwiegende Folge der Genitalverstümmelung. Bemühungen seitens der kenianischen Regierung, gegen dieses Ritual vorzugehen, zeigten bislang keine Wirkung. Nach Angaben von UNICEF steigt die Zahl der beschnittenen Frauen sogar an. Feuerbach verweist zur Erklärung auf den hohen gesellschaftlichen Druck, dem sich Eltern junger Mädchen immer noch ausgesetzt sehen. Häufig sei das traditionelle Ritual der Beschneidung die einzige Chance, Töchter auf ehrbare Weise heiratsfähig werden zu lassen. Alternative Übergangsrituale könnten hier eingreifen, argumentiert Feuerbach. Sie erörtert das entwicklungspolitische Potenzial dieses Ansatzes im Kontext der kulturellen und sozioökonomischen Gegebenheiten afrikanischer Staaten. Im Mittelpunkt des Buches stehen Interviews mit Frauen, die in Kenia erste alternative Übergangsrituale initiiert haben. In die neuen Riten wurden überlieferte Komponenten wie die Praxis der Seklusion, traditionelle Tänze und Gesänge sowie ein gemeinschaftliches Festmahl integriert. Damit sei die rituelle Bedeutung der Beschneidung als ein Übergangsritus gewahrt worden. Auch haben die Beschneiderinnen in dem neuen Ritual die Funktion der spirituellen Unterweisung übernommen und werden dafür mit Geschenken geehrt. Die Autorin betont, dass insbesondere das nach der Phase der Seklusion stattfindende Festmahl in dörflichen Gemeinschaften traditionell ein wichtiges Forum darstelle, auf dem Allianzen geschlossen, Streitigkeiten beigelegt, Verträge besiegelt und Heiraten vereinbart werden. Überraschenderweise seien die alternativen Rituale in den von der Autorin untersuchten dörflichen Gemeinschaften im Kerio Valley auf nur geringen Widerstand gestoßen. Feuerbach deutet dies als einen Hinweis auf die Sinnentleerung dieser rituellen Kultur. Trotzdem sei noch erhebliche Aufklärung notwendig, um die Akzeptanz unbeschnittener Frauen als Heiratskandidatinnen bei jungen Männern zu verbessern.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.424.442.672.27 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Melanie Feuerbach: Alternative Übergangsrituale? Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34010-alternative-uebergangsrituale_40763, veröffentlicht am 27.10.2011. Buch-Nr.: 40763 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA