/ 21.06.2013
Jakob Arnoldi
Alles Geld verdampft. Finanzkrise in der Weltrisikogesellschaft. Aus dem Englischen von Niklas Hofmann
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009 (edition suhrkamp 2590); 93 S.; 10,- €; ISBN 978-3-518-12590-8Aus der Perspektive des Soziologen erläutert Arnoldi, welche politischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Instrumente seit 1973 dazu beigetragen haben, dass die Grenzen zwischen Investition und Glücksspiel immer unklarer wurden. Da Menschen nicht nur dazu tendieren, hoch komplizierte Techniken zu entwickeln, sondern auch ebensolche institutionellen Systeme, die in Zeiten der Globalisierung zunehmend vernetzt sind, lässt sich in der Krise „ein Schlaglicht auf die Interdependenzen zwischen den Nationen überall auf der Welt“ und den „Reaktionen der politischen Systeme“ (7) werfen. So möchte der Autor mehrere Ziele erreichen: an die Historizität des Kapitalismus erinnern, das Potenzial der Krise für politische Veränderungen aufzeigen sowie auf das Gefahrenpotenzial hoch technisierter Finanzverfahren hinweisen. Arnoldi greift dafür insbesondere auf das Modell der Weltrisikogesellschaft Ulrich Becks zurück, anhand dessen sich globale Vernetzungen, politische Implikationen und nicht-intendierte Nebenfolgen zeigen lassen. Auch der Autor sieht den Ursprung der Krise auf dem US-Immobilienmarkt. Die dortige Hypothekenblase fiel jedoch mit neuen Finanzinstrumenten zusammen, u. a. den Subprime-Hypotheken. Somit handele es sich um die „klassische Geschichte einer Spekulationsblase, […] die von politischen und finanziellen Interessen gespeist wurde“ (25). Erstere bestanden in der Politik, die Zinsen möglichst niedrig zu halten, um die Quote der Immobilienbesitzer zu steigern. Arnoldi erinnert auch daran, dass die Beurteilung beispielsweise des Handels mit Derivaten vom jeweils herrschenden Diskurs der Zeit abhänge, immerhin hätten einige Länder diesen erst in den 60er-Jahren von den Listen verbotener Glücksspiele gestrichen. Er sieht in der Krise auch ein „kosmopolitisches Potential“ (75). Durch die Einsicht in die wachsende „Interdependenz des Sozialen“ – keine Region steht ohne äußere Einflüsse für sich allein – „geht […] möglicherweise ein Impuls für kollektives Handeln aus“ (79). Als empirische Datengrundlage führte der Autor 50 Interviews mit Akteuren verschiedener Bereiche der Finanzbranche.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jakob Arnoldi: Alles Geld verdampft. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31368-alles-geld-verdampft_37331, veröffentlicht am 01.12.2009.
Buch-Nr.: 37331
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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