/ 04.06.2013
Pax Christi - Deutsches Sekretariat (Hrsg.)
... Ultima ratio?! Die Friedensbewegung im Streit um Militäreinsätze. Bearb. von Rolf Ascheberg
Idstein: Komzi-Verlag 1996 (Probleme des Friedens 3); 174 S.; 16,80 DM; ISBN 3-929522-35-7Der Band ist Heinz Misella zum 70. Geburtstag gewidmet. Er zeigt u. a. die verschiedenen Positionen zu Militäreinsätzen innerhalb der Friedensbewegung, insbesondere Pax Christis, einer internationalen Organisation der katholischen Friedensbewegung. Nach Freise hält die Mehrheit der Mitglieder Pax Christis auch angesichts von gewaltsamen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung wie im bosnischen Srebrenica an der konsequenten Gewaltfreiheit fest. Halten die einen eine nachhaltige Befriedung durch Militäreinsatz für nicht erreichbar, sehen die anderen das christliche Grundprinzip der Gewaltfreiheit durchbrochen. Eine Minderheit, darunter Vorstand und Generalsekretär der Organisation, spricht sich für die Möglichkeit von Militäreinsätzen in Extremsituationen aus. Daneben vertritt eine weitere Gruppierung die Auffassung, daß nur internationale Polizeistreitkräfte einer reformierten UNO zu militärischer Gewalt legitimiert sind (83 ff.).
Inhalt: Sebastian Bamberg: Plädoyer für die Repolitisierung einer Debatte in Pax Christi (9-15). Gewalt und Gewaltfreiheit unter den Bedingungen des Ost-West-Konfliktes: Ulrike Borchardt: Die Realität von Krieg und Bürgerkrieg während der Ost-West-Konfrontation (19-24); Alfred Walter: Gewaltfreiheit – politische Strategie und grundlegende Überzeugung (25-31); Heinz Misella: Politische und ethische Abschreckungskritik (33-38); Rainer van Heukelum: Die paradigmatische Rolle der Kriegsdienstverweigerung im Kontext der Gewaltfreiheits-Diskussion in Pax Christi (39-46). Gewalt und Gewalteskalation in den 90er Jahren als neue friedensethische Herausforderung: Peter Lock: Wahrnehmungen und veränderte Realität von Kriegen nach dem Verschwinden des West-Ost-Konflikts (49-58). Fallstudien: Norbert Mappes-Niedeck: Bosnien/Deutschland: Wer gewann den "Schattenkrieg" zwischen Bellizisten und Pazifisten? (61-68); Mohssen Massarat: Nach-Denken über den Golfkrieg. 5 Jahre danach (69-80). Positionen und Diskussionen: Josef Freise: Pax Christi Deutschland (83-88); Bas Roufs / Jan ter Laak: Reflexion und Praxis zwischen Hoffnung und Ohnmacht. Pax Christi Niederlande seit 1989 (89-94); Martin Singe: Der Pazifismusstreit und die Friedensbewegung. Ein (unvollständiger) Überblick (95-102). Interventionsmöglichkeiten gegen Krieg und Gewalt: Christine M. Merkel / Jörg Calließ: Frieden ohne Zwang. Konfliktbearbeitung, eine Handwerkskunst mit Augenmaß (105-115); Barbara Müller / Christian Büttner: Probleme und Potentiale gewaltfreier Interventionen. Ein Forschungsbericht (117-120); Tillmann Elliesen: Nichtmilitärische Sanktionen gegen Krieg und Gewalt. Eine Zwischenbilanz (121-128); Wolfgang Biermann: Möglichkeiten und Grenzen internationaler Organisationen (UNO und OSZE) (129-139); Ludwig Jacob: Frieden durch militärische Einmischung? (141-150). Aufgabe der Friedensbewegung in Deutschland: Hans Günther Stobbe: Zukünftige Aufgabe der Friedensbewegung. Eine Thesenreihe mit Blick auf Pax Christi (153-156); Andreas Zumach: Friedensbewegung und Pazifismus. Aufgaben, Rolle und Selbstverständnis sechs Jahre nach "dem großen Umbruch" in Europa (157-163).
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.331 | 4.41 | 2.25 | 2.35 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Pax Christi - Deutsches Sekretariat (Hrsg.): ... Ultima ratio?! Idstein: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4465--ultima-ratio_6271, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6271
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M. A., Politikwissenschaftler.
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