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/ 11.06.2013
Karin Hartewig

Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2000; VII, 646 S.; ISBN 3-412-02800-2
Nicht groß war die Zahl der jüdischen Kommunisten, die nach 1945 in die sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR, zurückkehrten. Diejenigen, die diesen Schritt machten, bildeten nur eine kleine Minderheit. Aber sie sollten für das politische und kulturelle Klima der Nachkriegszeit und der DDR eine besondere Bedeutung erlangen, denn sie prägten das Selbstbild der DDR nach innen und das Bild von der DDR nach außen in besonderer Weise. Dabei begriffen sie sich überwiegend nicht als Juden, sonder...
Karin Hartewig

Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2000; VII, 646 S.; geb., 98,- DM; ISBN 3-412-02800-2
Nicht groß war die Zahl der jüdischen Kommunisten, die nach 1945 in die sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR, zurückkehrten. Diejenigen, die diesen Schritt machten, bildeten nur eine kleine Minderheit. Aber sie sollten für das politische und kulturelle Klima der Nachkriegszeit und der DDR eine besondere Bedeutung erlangen, denn sie prägten das Selbstbild der DDR nach innen und das Bild von der DDR nach außen in besonderer Weise. Dabei begriffen sie sich überwiegend nicht als Juden, sondern vor allem als deutsche Kommunisten. Deren politische Biographien und ihre Tätigkeit nach 1945 untersucht diese Studie. Sie verweist auf die historischen Kontinuitäten, die die DDR-Geschichtsschreibung zu berücksichtigen hat; dass nämlich, wie in diesem Falle, der prägende politische Einfluss für eine spezifische DDR-Elite bereits in der Weimarer Republik zu verorten und dementsprechend einzuordnen ist. Nur vor diesem Hintergrund seien das Selbstverständnis und die politischen Ziele dieser Gruppe zu verstehen. So erstellt die Autorin eine erfahrungsgeschichtlich differenzierte Gruppenbiographie jüdischer Kommunisten, die sich nach dem Ende des Dritten Reiches zu einer Gegenelite und zu den Siegern der Geschichte zählten. In einem zweiten Schritt thematisiert sie die politischen Rahmenbedingungen, die die jüdischen Remigranten bei ihrer Rückkehr vorfanden. Schließlich analysiert sie die Rolle der jüdischen Kommunisten innerhalb des antifaschistischen Diskurses und begreift diesen als zentrale Gründungslegende und Legitimationsgrundlage der DDR. Inhaltsübersicht: I. Die DDR - eine "Heimstatt" für Juden? 1. Herkunft, Verfolgung, Zuflucht und Rückkehr; 2. Lebensläufe; 3. Nachkriegskarrieren. II. Antifaschismus und Apparat. Jüdische Kommunisten im deutschen Stalinismus: 1. Die Gesichter der Partei; 2. Zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft: Die Diskussion um die Wiedergutmachung; 3. Das Trauma der Stigmatisierung. III. Antifaschismus ohne Juden? Das kollektive Gedächtnis der DDR und die Integration einer schwindenden Minderheit: 1. Die große Erzählung; 2. Das Ritual: Gedenktag "Kristallnacht"; 3. Die wiederentdeckte Herrschaft.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Karin Hartewig: Zurückgekehrt. Köln/Weimar/Wien: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13010-zurueckgekehrt_15589, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15589 Rezension drucken
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