/ 11.06.2013
Tilman Evers (Hrsg.)
Ziviler Friedensdienst - Fachleute für den Frieden. Idee - Erfahrungen - Ziele
Opladen: Leske + Budrich 2000; 379 S.; ISBN 3-8100-2910-6Das Konzept "Ziviler Friedensdienst" (ZFD) versteht sich als nichtmilitärische Antwort auf die vielschichtigen Ursachen und Formen heutiger internationaler Konflikte und wird von der rot-grünen Bundesregierung als Beitrag zu einer Kultur der Konfliktprävention betrachtet und entsprechend gefördert. Bei diesem Konzept sollen zivilgesellschaftliche Träger und staatliche Akteure im Sinne einer Public-Private-Partnership zusammenwirken, "um Hass und Gewalt [zu] vermeiden oder abbauen [zu] helfen und...
Tilman Evers (Hrsg.)
Ziviler Friedensdienst - Fachleute für den Frieden. Idee - Erfahrungen - Ziele
Opladen: Leske + Budrich 2000; 379 S.; kart., 29,80 DM; ISBN 3-8100-2910-6Das Konzept "Ziviler Friedensdienst" (ZFD) versteht sich als nichtmilitärische Antwort auf die vielschichtigen Ursachen und Formen heutiger internationaler Konflikte und wird von der rot-grünen Bundesregierung als Beitrag zu einer Kultur der Konfliktprävention betrachtet und entsprechend gefördert. Bei diesem Konzept sollen zivilgesellschaftliche Träger und staatliche Akteure im Sinne einer Public-Private-Partnership zusammenwirken, "um Hass und Gewalt [zu] vermeiden oder abbauen [zu] helfen und Verständigung zu erleichtern" (17), damit Konflikte konstruktiv statt gewaltsam ausgetragen werden. Es ist jedoch nicht immer klar, welcher konkrete Zweck jenseits allgemeiner idealistischer Vorstellungen verfolgt wird, insbesondere wie der politische Mehrwert dieses Konzeptes zu beurteilen ist. Die 31 Beiträge versuchen den Stand der konzeptionellen Überlegungen, die politischen Traditionen und Rahmenbedingungen sowie erste praktische Erfahrungen zu dokumentieren. Die Fallbeispiele zielen vornehmlich auf den internationalen Bereich (u. a. Estland, Bosnien, Zypern, Kosovo), am Beispiel "Konfliktmanagement für Jugendliche in Brandenburg" wird aber auch ein innenpolitischer Konfliktherd der Bundesrepublik einbezogen. Einerseits werden gute Einblicke in die Chancen und Probleme des ZFD vermittelt sowie unterschiedliche Perspektiven und Standpunkte vorgestellt. Andererseits sind einige Beiträge von einem einseitigen und unreflektierten Gegeneinander militärischer und ziviler Instrumente der Konfliktbearbeitung geprägt, das in der Praxis internationaler Krisenprävention schon längst nicht mehr so besteht, wie suggeriert wird. Gleichwohl dient das Handbuch dem besseren Verständnis eines Konzeptes, mit dem neben zentralen Schwächen und oftmals unrealistischen Erwartungen auch Hoffnungen verbunden werden.
Inhalt: 1. Leitgedanken und Handlungsformen: Helga Tempel: Leitlinien des Zivilen Friedensdienstes (23-34); Cornelia Brinkmann: Zivile Konfliktbearbeitung - Friedensfachdienst - Ziviler Friedensdienst. Begriffe und Bezüge (35-47); Thomas Nauerth: Zum Weltverständnis gewaltfreien Handelns (48-56); Ruben Kurschat: Wir, Die und Ich. Fremd- und Selbstbilder als Ansatz multikollektiver Sozialarbeit (57-67); Norbert Ropers: Die internen Akteure stärken! Krisenprävention und Konflikttransformation durch Friedensallianzen (68-77); Iris Smidoda: Instrumente ziviler Konfliktbearbeitung in internationalen Konflikten (78-85); Renate Wanie / Hans Hartmann: Schöner intervenieren. Gewaltfreie Intervention - ein verkappter Friedenskolonialismus? (86-93). 2. Geschichte, Politik, Akteure: Tilman Evers: Friedenshandeln in der Weltgesellschaft. Der geschichtliche Kontext des Zivilen Friedensdienstes (97-115); Andreas Buro: Ziviler Friedensdienst im Verhältnis zu Staat, militärgestützter Politik und Militär (116-126); Reinhard J. Voß: Geschichte der Friedensdienste in Deutschland (127-144); Uwe Trittmann: Geschichte einer Idee - Das Forum Ziviler Friedensdienst (145-158); Martin Zint: Der Zivile Friedensdienst und sein Echo in den Medien (159-164); Janne Poort-van Eeden: Internationale Zusammenarbeit für Gewaltfreiheit. Das European Network for Civil Peace Services EN.CPS (165-172); Jörg Schwieger: Die Erfahrungen der Entwicklungsdienste - Das Beispiel von Dienste in Übersee (173-180); Eckehard Fricke: Das Konsortium Ziviler Friedensdienst (181-188); Adolf Kloke-Lesch / Hans-Peter Baur: Friedensentwicklung und Krisenprävention als Strategieelemente der Entwicklungspolitik (189-198); Volker Kasch / Lothar Rast: Die Umsetzung des Zivilen Friedensdienstes in der Entwicklungszusammenarbeit: Das Beispiel des DED (199-212); Ralf Horlemann: Außenpolitik ist Friedenspolitik. Qualifizierung von Personal als Instrument der zivilen Krisenprävention und Konfliktbearbeitung (213-220). 3. Ausbildung und Praxis: Konrad Tempel: Wollen und Können. Leitgedanken der Ausbildung zu Friedensfachkräften (223-239); Heinz Wagner: Vom NRW-Modellvorhaben zur Arbeitsgemeinschaft Qualifizierung. Ein no-name-Produkt auf dem Weg zum Markenzeichen (240-256); Peter Girke: Bilder einer Ausbildung. Ein Teilnehmer über die Ausbildung der AG Modellvorhaben (257-262); Georg Sticker: Fit in Conflict. Ziviler Friedensdienst als Aufgabe der AGEH-Personalentwicklung (263-273); Hagen Berndt: "Die alten Wege reichen nicht mehr aus". Internationale Trainings: Gewaltfreiheit in Krieg und bewaffnetem Konflikt (274-280); Angela Mickley: Ziviler Friedensdienst im Inland. Das EU-Modellprojekt Konfliktmanagement und Mediation für Jugendarbeiter in Brandenburg (281-290); Hanne-Margret Birckenbach: Die Verknüpfung der Ebenen. Über den Zusammenhang zwischen staatlicher und nicht-staatlicher Projektarbeit in der Krisenprävention - Beispiele aus Estland (291-299); Klaus-Stephan Otto / Stefan Willmutz: Das OSZE-Projekt. Erfahrungen des Zivilen Friedensdienstes mit einer Ausbildung in der Republik Bosnien und Herzegowina (300-308); Carsten Meyer: Das Benkovac-Projekt von Pax Christi in Kroatien. Der Weg zur Versöhnung auf dem Balkan ist lang, sehr lang (309-316); Harald Weishaupt: "Den einen oder anderen aufrütteln und mitreißen, das ist meine Hoffnung". Als Friedensfachkraft in Jajce - ein Interview (317-322); Silke Maier-Witt: Ein Alltag in Prizren. Als Friedensfachkraft im Kosovo (323-329); Katie Economidou / Oliver Wolleh: Bürgergruppen für den Frieden in Zypern (330-338); Siegfried Schröder / Alain Sitchet: Das ZimRights-Versöhnungsprojekt in Matabeleland/Zimbabwe (339-346).
Johannes Varwick (JV)
Prof. Dr., Institut für Politische Wissenschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Rubrizierung: 4.41 | 4.44 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Johannes Varwick, Rezension zu: Tilman Evers (Hrsg.): Ziviler Friedensdienst - Fachleute für den Frieden. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12798-ziviler-friedensdienst---fachleute-fuer-den-frieden_15330, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15330
Rezension drucken
Prof. Dr., Institut für Politische Wissenschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
CC-BY-NC-SA