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/ 17.06.2013
Paul Spiegel

Wieder zu Hause? Erinnerungen

Berlin: Ullstein 2001; 296 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-89834-041-4
Die Öffentlichkeit nimmt den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden im Allgemeinen nur dann richtig wahr, wenn er als Mahner gegen Antisemitismus und Intoleranz gegenüber den Juden auftritt. In der letzten Zeit hat es leider immer häufiger Anlass dazu gegeben. Die Kontroverse um die Äußerungen des nordrhein-westfälischen FDP-Vorsitzenden Möllemann im Frühjahr ist nur ein Beispiel unter vielen. Spiegel hat für die Anfänge von Antisemitismus in der Bundesrepublik ein besonderes Gespür, denn er ist...
Paul Spiegel

Wieder zu Hause? Erinnerungen

Berlin: Ullstein 2001; 296 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-89834-041-4
Die Öffentlichkeit nimmt den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden im Allgemeinen nur dann richtig wahr, wenn er als Mahner gegen Antisemitismus und Intoleranz gegenüber den Juden auftritt. In der letzten Zeit hat es leider immer häufiger Anlass dazu gegeben. Die Kontroverse um die Äußerungen des nordrhein-westfälischen FDP-Vorsitzenden Möllemann im Frühjahr ist nur ein Beispiel unter vielen. Spiegel hat für die Anfänge von Antisemitismus in der Bundesrepublik ein besonderes Gespür, denn er ist in vieler Hinsicht ein typisches Kind dieses Landes. Im Krieg musste seine Familie in Belgien Schutz suchen und überlebte bis auf eine Schwester den Holocaust. Der Vater entkam sogar der Hölle der Konzentrationslager und kehrte nach dem Krieg mit seiner Familie in seine Heimat nach Warendorf zurück. Spiegel verlebte so seine Schul- und Lehrzeit in der jungen Bundesrepublik und beobachtete später als Redakteur der Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland die politische und gesellschaftliche Entwicklung. Es blieb nicht aus, dass er dabei mehr und mehr auch über jüdische Geschichte und Gegenwart erfuhr. Sein Engagement für die jüdische Gemeinschaft, das ihn unter anderem über eine Tätigkeit als Angestellter des Zentralrats und Delegierter in jüdischen Gemeindevorständen bis ins Amt des Vorsitzenden führte, begann zu jener Zeit. Er war jedoch nicht nur als Funktionär tätig, sondern baute sich eine gut funktionierende Künstleragentur auf, die zur Basis seiner wirtschaftlichen Existenz wurde. Spiegel erzählt seinen Lebensweg in nüchternen Worten, ohne Pathos und ohne den bei vielen Memoiren so unangenehmen Hang zur Selbstüberhöhung. Er lehnt es ab, zu einer moralischen Institution stilisiert zu werden. Sein Amtsverständnis als Vorsitzender des Zentralrats ist vielmehr auf die Arbeit für die jüdische Gemeinde hin ausgerichtet, aber gleichzeitig hält er es als deren Vertreter nach außen für seine Pflicht, sich öffentlich zu äußern, "wenn Freiheit, Menschenwürde, Demokratie eine Beeinträchtigung droht" (279). Sein Lebensweg als Medienvertreter und engagierter Vertreter in vielen jüdischen Gremien in der Bundesrepublik hat ihm die besten Voraussetzungen dazu mitgegeben.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Paul Spiegel: Wieder zu Hause? Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15867-wieder-zu-hause_18120, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18120 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA