/ 12.06.2013
Manfred Mai
Technikbewertung in Politik und Wirtschaft. Beitrag zum Problem ihrer Institutionalisierung
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001; 220 S.; brosch., 29,65 €; ISBN 3-7890-7040-8Politikwiss. Habilitationsschrift Münster; Gutachter: R. Tschiedel, G. W. Wittkämper. - Auf der Grundlage eines interdisziplinären Technikverständnisses untersucht der Autor die Institutionalisierungsformen der Technikbewertung bei den beiden zentralen Akteuren der Technikgestaltung: Staat und Wirtschaft. Nach der bahnbrechenden Einrichtung eines "Office of Technology Assessment" beim amerikanischen Kongress im Jahre 1972 haben Regierungen, Parlamente, Unternehmen und Verbände auch in Deutschlan...
Manfred Mai
Technikbewertung in Politik und Wirtschaft. Beitrag zum Problem ihrer Institutionalisierung
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001; 220 S.; brosch., 29,65 €; ISBN 3-7890-7040-8Politikwiss. Habilitationsschrift Münster; Gutachter: R. Tschiedel, G. W. Wittkämper. - Auf der Grundlage eines interdisziplinären Technikverständnisses untersucht der Autor die Institutionalisierungsformen der Technikbewertung bei den beiden zentralen Akteuren der Technikgestaltung: Staat und Wirtschaft. Nach der bahnbrechenden Einrichtung eines "Office of Technology Assessment" beim amerikanischen Kongress im Jahre 1972 haben Regierungen, Parlamente, Unternehmen und Verbände auch in Deutschland die Notwendigkeit erkannt, die Steuerbarkeit und möglichen Folgen technischer Systeme zu identifizieren, diese aufgrund definierter Kriterien zu beurteilen und schließlich Handlungsoptionen zu entwickeln. Der Autor widmet sich zunächst der grundsätzlichen Frage nach der Steuerbarkeit technischer Systeme und der Steuerungsfähigkeit des Staates im Rahmen der politikwissenschaftlichen Steuerungsdiskussion. Dabei entwickelt er die These, dass vor allem großtechnische Systeme und Infrastrukturen eine erhebliche Teilautonomie entwickelt haben, die wiederum die Rahmenbedingungen ihrer Steuerbarkeit beeinflusst und einen Handlungsimpuls für Staat und Gesellschaft auslöst. Mai diskutiert insbesondere die sich daraus ergebende Technikbewertung durch Legislative und Exekutive einerseits sowie Akteure aus der Wirtschaft andererseits. Als eines der Ergebnisse dieser Studie kann festgehalten werden, dass die Legislative in allen parlamentarischen Industriestaaten gegenüber dem faktischen Einfluss von Regierung und Wirtschaft als besonders schwach anzusehen ist. Mai macht hierfür vor allem Informationsdefizite verantwortlich. Die Stärkung der Position der Parlamente erachtet der Verfasser daher auch als Erfordernis im Rahmen der weiteren Institutionalisierung der Technikbewertung.
Inhaltsübersicht: 1. Von der Planungseuphorie zum Staatsversagen - zur Steuerungsfähigkeit des Staates: 1.1 Technikbewertung im Kontext der gesellschaftlichen Planungsdiskussion; 1.2 "Technik" als Gegenstand staatlicher Planung und Gestaltung; 1.3 Technikbewertung in der modernen Gesellschaft - Folgerungen und offene Fragen. 2. Staat und Technikbewertung: 2.1 Technikbewertung in Regierung und Verwaltung; 2.2 Technikbewertung im Parlament. 3. Zum Problem der Steuerungsmedien: 3.1 Techniksteuerung durch Recht; 3.2 Leitbilder in der Technikbewertung. 4. Technikbewertung in der Wirtschaft und in Verbänden: 4.1 Technikbewertung in der Wirtschaft; 4.2 Korporative Technikbewertung; 4.3 Technikbewertung in Wirtschaft und Verbänden. 5. Technikbewertung als Politikberatung: 5.1 Grundstrukturen und -konflikte der Politikberatung; 5.2 Interdisziplinarität und Professionalität als Restriktion; 5.3 Diskurse als Instrumente der Politikberatung und Technikbewertung.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Manfred Mai: Technikbewertung in Politik und Wirtschaft. Baden-Baden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13933-technikbewertung-in-politik-und-wirtschaft_16699, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16699
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Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA