/ 11.06.2013
Siegfried Rauhut
Soziale Marktwirtschaft und parlamentarische Demokratie. Eine institutionenökonomische Analyse der politischen Realisierungsbedingungen der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Duisburger Volkswirtschaftliche Schriften 34); 338 S.; ISBN 3-428-10103-0Wirtschaftswiss. Diss. Duisburg; Gutachter: D. Cassel, M. Tietzel. – Die soziale Marktwirtwirtschaft, so Rauhut, sei angesichts von vier Millionen Arbeitslosen, einer hohen Staatsverschuldung und einer geringen wirtschaftlichen Dynamik dringend reformbedürftig. Der Lösungsansatz könne aber nicht in der Rückbesinnung auf ordnungspolitische Werte liegen, denn die Konzeption der sozialen Marktwirtschaft zeichne sich bereits in ihren Ursprüngen durch einen konzeptionellen Pluralismus aus, der ...
Siegfried Rauhut
Soziale Marktwirtschaft und parlamentarische Demokratie. Eine institutionenökonomische Analyse der politischen Realisierungsbedingungen der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Duisburger Volkswirtschaftliche Schriften 34); 338 S.; 118,- DM; ISBN 3-428-10103-0Wirtschaftswiss. Diss. Duisburg; Gutachter: D. Cassel, M. Tietzel. – Die soziale Marktwirtwirtschaft, so Rauhut, sei angesichts von vier Millionen Arbeitslosen, einer hohen Staatsverschuldung und einer geringen wirtschaftlichen Dynamik dringend reformbedürftig. Der Lösungsansatz könne aber nicht in der Rückbesinnung auf ordnungspolitische Werte liegen, denn die Konzeption der sozialen Marktwirtschaft zeichne sich bereits in ihren Ursprüngen durch einen konzeptionellen Pluralismus aus, der wesentlich mitverantwortlich dafür ist, dass das Konzept "zu einer Leerformel degenerierte" (24). Rauhut will "grundsätzlicher" (24) ansetzen und das falsche Staatsverständnis der ordoliberalen Theorie überwinden: Der Ordoliberalismus fordere einen "starken Staat", der "autonom und unabhängig von ökonomischen Machtfaktoren agiere" (24). Aufbauend auf den Public-Choice-Theorien der ökonomischen Theorie der Politik zeigt er, dass ein solches Staatsverständnis nur in die Konzentration politischer Macht und in die Durchsetzung von Sonderinteressen münden könne. Die Lösung für die Überwindung der Krise der sozialen Marktwirtschaft müsse in einer "konzeptionskonforme[n] Staatsordnungspolitik" liegen, bei der der Wettbewerb vom Bereich der Ökonomie auf den der Politik übertragen werde mit dem Ziel, "die politischen Akteure zu entmachten und den Redistributionsaspekt im Politischen zurückzudrängen" (6).
Der Band gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Public-Choice-Theorien und die Theorien zur Begrenzung der Staatstätigkeit durch Verfassungsregeln und durch die Intensivierung des politischen Wettbewerbs. Fraglich ist jedoch, ob es im Ergebnis überhaupt noch um eine soziale Marktwirtschaft geht – denn das zentrale Anliegen herausragender Vertreter dieses Konzepts wie Röpke und Rüstow war es doch gerade, das Prinzip des Wettbewerbs und das Kriterium der Effizienz auf den Bereich der Ökonomie zu begrenzen sowie Gesellschaft und Politik nach anderen, nicht-ökonomischen Maßstäben zu gestalten. Die Unbestimmtheit oder fehlende Präzision in der Ausformulierung dieser Maßstäbe fordert die Konsequenz von Rauhut, auch die Politik den Maßstäben der Ökonomie zu unterwerfen, geradezu heraus – die andere mögliche Konsequenz bestände aber darin, die anderen, nicht-ökonomischen Maßstäbe präziser zu benennen.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.3 | 2.342 | 5.45
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Siegfried Rauhut: Soziale Marktwirtschaft und parlamentarische Demokratie. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12557-soziale-marktwirtschaft-und-parlamentarische-demokratie_15013, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15013
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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