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/ 11.06.2013
Claudia Wagner

Rußlands Kriege in Tschetschenien. Politische Transformation und militärische Gewalt

Münster: Lit 2000 (Studien zu Konflikt und Kooperation im Osten 8); 220 S.; brosch., 20,35 €; ISBN 3-8258-4670-9
Die brutalen Kriege in Tschetschenien, die vom Kreml als innerstaatliche Angelegenheit betrachtet werden, sind national und international die offene Wunde der russischen Politik. Die Anwendung militärischer Gewalt als Ultima Ratio bedarf umso mehr einer Erklärung, als die politischen und wirtschaftlichen Eliten ein vitales Interesse an kooperativen Beziehungen zum westlichen Ausland haben. Um die Ursachen der Tschetschenienkriege aufzuhellen, verknüpft die Autorin sehr gewissenhaft die aus der w...
Claudia Wagner

Rußlands Kriege in Tschetschenien. Politische Transformation und militärische Gewalt

Münster: Lit 2000 (Studien zu Konflikt und Kooperation im Osten 8); 220 S.; brosch., 20,35 €; ISBN 3-8258-4670-9
Die brutalen Kriege in Tschetschenien, die vom Kreml als innerstaatliche Angelegenheit betrachtet werden, sind national und international die offene Wunde der russischen Politik. Die Anwendung militärischer Gewalt als Ultima Ratio bedarf umso mehr einer Erklärung, als die politischen und wirtschaftlichen Eliten ein vitales Interesse an kooperativen Beziehungen zum westlichen Ausland haben. Um die Ursachen der Tschetschenienkriege aufzuhellen, verknüpft die Autorin sehr gewissenhaft die aus der wissenschaftlichen Literatur gewonnenen Interpretationen mit den Rahmenbedingungen des Transformations- und Demokratisierungsprozesses in der russländischen Föderation. Erst in dieser Bandbreite bestehe die Chance, die Verwicklungen der Gewalt gegen eine Minderheit hinreichend zu erklären. Dabei legt Wagner den Schwerpunkt auf den ersten Tschetschenienkrieg und trennt sorgfältig die Konflikt- und Kriegsursachen. Die Autorin zeigt, dass ein extrem kleiner Personenkreis zusammen mit dem Präsidenten Jelzin die Entscheidung zur militärischen Intervention traf. Drei Faktoren, welche die Kriegstreiberei einer kleinen Elite begünstigten, hebt Wagner hervor: "Erstens die Schwäche demokratischer Institutionen (als allgemeine Voraussetzung), zweitens das entschiedene Interesse der sogenannten 'Partei des Krieges' an einer gewaltsamen Lösung und der Zugang dieser Personen zum Entscheidungszentrum. Drittens war die Konzeptionslosigkeit der rußländischen Tschetschenienpolitik zu einem hohen Grad verantwortlich, daß kaum ein Akteur ein Interesse an einer gewaltlosen Bearbeitung des Konflikts entwickelte." (174) Insofern sind die Ursachen der kriegerischen Politik Moskaus in den Kontext des Transformationsprozesses einzuordnen. Ohne ein funktionierendes Geflecht an demokratischen Institutionen und rechtsstaatlichen Gesetzen obsiegen Partikularinteressen, die, wie im Falle des jetzigen Präsidenten Putin, propagandistisch als Kampf gegen den Terrorismus verkauft werden. Deshalb ist der Autorin zuzustimmen, dass ein Frieden zwischen Russland und Tschetschenien für die absehbare Zukunft Utopie bleibt. Inhaltsübersicht: Verschleppter Konflikt und Eskalation; Die Regeln des politischen Systems der RF und der Krieg; Interessen am Krieg; Die Reaktionen der Gesellschaft; Tschetschenien und Rußland nach dem ersten Krieg.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.622.252.2 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Claudia Wagner: Rußlands Kriege in Tschetschenien. Münster: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12949-russlands-kriege-in-tschetschenien_15521, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15521 Rezension drucken
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