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/ 12.06.2013
Niall Ferguson

Politik ohne Macht. Das fatale Vertrauen in die Wirtschaft. Aus dem Englischen von Klaus Kochmann

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 464 S.; geb., 25,46 €; ISBN 3-421-05340-5
Im Original heißt das Buch "The Cash Nexus. Money and Power in the Modern World, 1700-2000". Es fragt, worauf sich die Macht eines Staates gründet. Und die Antwort lautet, ein Staat muss in der Lage sein, "Kriege zu finanzieren", denn bis 1950 beanspruchte diese Fähigkeit den größten Teil der Ausgaben. Erst seit dieser Zeit konkurrieren diese Ausgaben mit denen für Wohlfahrt. Während die Militärkosten exorbitant stiegen, kam es also darauf an, Institutionen zu erneuern beziehungsweise zu schaffe...
Niall Ferguson

Politik ohne Macht. Das fatale Vertrauen in die Wirtschaft. Aus dem Englischen von Klaus Kochmann

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 464 S.; geb., 25,46 €; ISBN 3-421-05340-5
Im Original heißt das Buch "The Cash Nexus. Money and Power in the Modern World, 1700-2000". Es fragt, worauf sich die Macht eines Staates gründet. Und die Antwort lautet, ein Staat muss in der Lage sein, "Kriege zu finanzieren", denn bis 1950 beanspruchte diese Fähigkeit den größten Teil der Ausgaben. Erst seit dieser Zeit konkurrieren diese Ausgaben mit denen für Wohlfahrt. Während die Militärkosten exorbitant stiegen, kam es also darauf an, Institutionen zu erneuern beziehungsweise zu schaffen, die die Deckung dieser Kosten ermöglichten. Ferguson zeigt, wie Großbritannien als erste Macht vier Institutionen als Grundlagen finanzieller Stärke herausgebildet hat, die er als "Machtquadrat" darstellt, nämlich eine Steuern eintreibende Bürokratie, ein repräsentatives Parlament, die Staatsschuldenverwaltung und die Zentralbank. Weitet er dieses Modell des Machtquadrates im Weltmaßstab aus, so "signalisieren die Globalisierung der angloamerikanischen Finanzinstitutionen und die Liberalisierung des Handels seit den 1880er Jahren eine Rückkehr zu den Zuständen der Welt von 1914" (395) - allerdings bei einer geringeren Mobilität von Arbeitskräften, sodass sich die weltweite Einkommensschere weniger schlösse, und bei einer fehlenden internationalen "Geld-Architektur". In diesem Zusammenhang steht er auch dem Euro skeptisch gegenüber, da die Generationsungleichgewichte innerhalb der Mitgliedstaaten zu Interessenskonflikten führen. Von der ökonomischen Globalisierung erwartet er keine weltweite Durchsetzung der Demokratie. Er verweist vielmehr auf die Gefahr, die "im Fehlen einer wirklichen politischen Vormacht - also imperialen Macht - liegen" (395); denn auch "Großbritannien regierte zwar sein Weltreich, versäumte es aber, sich angemessen auf dessen Verteidigung vorzubereiten" (396). Und auch Japan sowie Deutschland bewiesen im Zweiten Weltkrieg, wie viel Schaden Regime ausrichten können, die sich auf "autoritäre Mobilisierung" stützen. "Das soll nicht heißen, daß die Vereinigten Staaten sich in naher Zukunft einer vergleichbaren Herausforderung gegenübersehen werden. Es stellt aber ein Argument für eine vorsichtige Einschätzung der Kraft Amerikas dar, gegen 'Schurkenstaaten' Demokratie und Marktwirtschaft durchzusetzen, solange die Lage günstig ist" (396). Inhalt: Alter und neuer ökonomischer Deternismus; Aufstieg und Fall des Militärstaats; "Verhaßte Steuern"; Die Bürger und der König; Staatsschulden; Wie man seine Schulden nicht bezahlt; Über die Zinsen; Tote Lasten und Steuerfresser; Der Mythos vom Wohlfühlfaktor; Das Silverbridge-Syndrom; Herren des Universums; Fesseln aus Gold, Ketten und Papier; Ebbe und Flut der Demokratie; Zerbrochene Einheiten; Unterforderung.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.212.22 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Niall Ferguson: Politik ohne Macht. Stuttgart/München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13882-politik-ohne-macht_16642, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16642 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA