/ 11.06.2013
Jacques Derrida
Politik der Freundschaft. Übersetzt von Stefan Lorenzer
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000; 492 S.; ISBN 3-518-68284-4Die Unterscheidung zwischen Freund und Feind, die Carl Schmitt als Grundlage aller politischen Theorie bestimmt hat, gibt dem französischen Philosophen und Sprachkritiker Anlass, den Begriff der Freundschaft durch die Geschichte der abendländischen Philosophie hindurch anhand einer Reihe von "genauen Lektüren" zu untersuchen. Dabei geht es zentral um die drei Grundbegriffe der modernen Auffassung von Demokratie - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und die Frage, wie das Politische bisher ged...
Jacques Derrida
Politik der Freundschaft. Übersetzt von Stefan Lorenzer
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2000; 492 S.; geb. 88,- DM; ISBN 3-518-68284-4Die Unterscheidung zwischen Freund und Feind, die Carl Schmitt als Grundlage aller politischen Theorie bestimmt hat, gibt dem französischen Philosophen und Sprachkritiker Anlass, den Begriff der Freundschaft durch die Geschichte der abendländischen Philosophie hindurch anhand einer Reihe von "genauen Lektüren" zu untersuchen. Dabei geht es zentral um die drei Grundbegriffe der modernen Auffassung von Demokratie - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und die Frage, wie das Politische bisher gedacht wurde beziehungsweise warum dieses Denken immer eine Entpolitisierung bewirkt habe. Der Autor zeigt, dass die von ihm entwickelte Philosophie der Dekonstruktion, anders als oft unterstellt, durchaus ausdrücklich politische Implikationen hat. Zu den diskutierten Autoren gehören Friedrich Nietzsche, Carl Schmitt, Michel de Montaigne, Aristoteles und Martin Heidegger. Immer geht es darum, wie sich der Begriff des Politischen schlechthin durch verschiedene Philosopheme, beispielsweise das Zählen, die patriarchale Verbindung von Bruder und Freund etc. konstituiert. In diesem ausführlichen Durchgang begründet und differenziert der Autor schließlich auch seinen Begriff von Demokratie, den er zuvor in verschiedenen Vorträgen (so in "Das andere Kap" oder "Marx' Gespenster") bereits angedeutet, aber nicht ausgearbeitet hatte.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 5.42
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Jacques Derrida: Politik der Freundschaft. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12220-politik-der-freundschaft_14589, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14589
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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