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/ 11.06.2013
Christoph Strünck

Pflegeversicherung - Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung. Institutioneller Wandel, Machtbeziehungen und organisatorische Anpassungsprozesse

Opladen: Leske + Budrich 2000 (Forschung Politikwissenschaft 68); 232 S.; ISBN 3-8100-2629-8
Diss. Bochum. - Die zum 1.7.1994 eingeführte Pflegeversicherung - sie ergänzt das System der Sozialversicherung mit einer fünften Säule - ist auch in der Absicht erfolgt, durch Gleichstellung von frei-gemeinnützigen und privat-gewerblichen Leistungsanbietern einen Wettbewerbs- und Kostendruck in diesem Segment sozialer Dienstleistungen zu erzeugen, der in den anderen Zweigen der sozialen Sicherung (noch) nicht vorhanden ist. Damit hat der Gesetzgeber Arenen geschaffen, die den in dem Feld tätige...
Christoph Strünck

Pflegeversicherung - Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung. Institutioneller Wandel, Machtbeziehungen und organisatorische Anpassungsprozesse

Opladen: Leske + Budrich 2000 (Forschung Politikwissenschaft 68); 232 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-8100-2629-8
Diss. Bochum. - Die zum 1.7.1994 eingeführte Pflegeversicherung - sie ergänzt das System der Sozialversicherung mit einer fünften Säule - ist auch in der Absicht erfolgt, durch Gleichstellung von frei-gemeinnützigen und privat-gewerblichen Leistungsanbietern einen Wettbewerbs- und Kostendruck in diesem Segment sozialer Dienstleistungen zu erzeugen, der in den anderen Zweigen der sozialen Sicherung (noch) nicht vorhanden ist. Damit hat der Gesetzgeber Arenen geschaffen, die den in dem Feld tätigen Organisationen Spielräume für spezifische Aushandlungs- und Einflussstrategien eröffnen. Unter diesem verbände-bezogenen Politics-Aspekt analysiert Strünck den Prozess der Implementation der Pflegeversicherung am Beispiel von Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt dieser Querschnittsanalyse stehen damit "die Wechselwirkungen zwischen der Umsetzung der Pflegeversicherung und der Transformation eines Verbändesystems, das durch nicht-intendierte Effekte neu strukturiert wird" (21). Diese Fokussierung auf die Anbieterseite erfolgt mit Blick auf die zentrale Hypothese der Studie, dass sich nämlich der angestrebte Wettbewerb in der Pflegeversicherung weniger in der Anbieter-Klienten-Beziehung zeigt als vielmehr in einer von Politisierung getragenen Transformation der Strukturen des Verbändesystems selbst (193 ff.). Die damit eingeleitete Neujustierung des korporatistischen Arrangements beschreibt der Autor mit der griffigen Formel: "Vom Status zum Kontrakt" (196 ff.). Die Studie besticht - neben der durchgängig präzisen Diktion - vor allem aufgrund der gelungenen Verknüpfung eines organisationstheoretischen Argumentationsrahmens (als Kombination neo-institutionalistischer und machtanalytischer Perspektiven [27 ff.]) und einer generalisierenden Analyse der neuen sozialpolitischen Arena (57 ff.) mit einer hauptsächlich qualitativ durchgeführten Fallstudie (123 ff.). Aus dem Inhalt: 3. Theoretischer Argumentationsrahmen: 3.1 Neokorporatistische Ansätze in der Verbändetheorie; 3.2 Neo-institutionalistische Perspektiven; 3.3 Organisation und Umwelt: die Wiederentdeckung organisatorischer Felder; 3.4 Isomorphismus: der moderne Mythos der Effizienz; 3.5 Machtbeziehungen und die Kontrolle der Ungewißheit: die strategische Organisationsanalyse; 3.6 Vom "Status" zum "Kontrakt": die Logik vertraglicher Sozialpolitik. 4. Die Pflegeversicherung als neue sozialpolitische Arena: 4.1 Finanz- versus Sozialpolitik; 4.2 Transformation des Sozialversicherungs-Prinzips?; 4.3 Widersprüche, Konstruktionsfehler, Fehlwirkungen; 4.4 Im Netz der Akteure: Interessen, Handlungslogiken, Dilemmata; 4.5 Die Institutionalisierung eines neuen Handlungssystems: das organizational field der Pflegeversicherung. 5. Das deutsche Modell der Wohlfahrtsproduktion im Wandel: politische Ökonomie sozialer Dienstleistungen: 5.1 Ökonomie sozialer Dienstleistungen: Ko-Produktion und Vertrauensgut; 5.2 Im Schatten der Medizin: der Sonderfall Pflege; 5.3 Kooperativer Sozialstaat: Verhandlungen und Verträge; 5.4 Diversifizierte Barmherzigkeit: der Wandel der Wohlfahrtsverbände. 6. Die Umsetzung der Pflegeversicherung: eine Fallstudie: 6.1 Die Ausgangslage in Nordrhein-Westfalen; 6.2 Die Kontrolle von Ungewißheits-Zonen: Verhandlungs-Prozesse in der ambulanten Pflege; 6.3 Die Eigenlogik des stationären Bereichs. 7. Organisatorischer Wandel und Machtbeziehungen in der Pflegeversicherung: die Dialektik von Ökonomisierung und Politisierung: 7.1 Qualitätssicherung als Legitimation; 7.2 Die Institutionalisierung des Wettbewerbs und ihre Grenzen; 7.3 Die Transformation gemeinnütziger Träger und ihrer Verbände; 7.4 Die Transformation des Verbändesystems.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3422.331 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Christoph Strünck: Pflegeversicherung - Barmherzigkeit mit beschränkter Haftung. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12190-pflegeversicherung---barmherzigkeit-mit-beschraenkter-haftung_14552, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14552 Rezension drucken
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