/ 12.06.2013
Axel Grießmer
Massenverbände und Massenparteien im wilhelminischen Reich. Zum Wandel der Wahlkultur 1903-1912
Düsseldorf: Droste Verlag 2000 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 124); 339 S.; Ln., 39,88 €; ISBN 3-7700-5228-5Geschichtswiss. Diss. Saarbrücken; Gutachter: E. Fehrenbach, R. Hudemann. - Der ursprüngliche Titel dieser Arbeit begann mit den Worten "Massenverbände gegen Massenparteien". Es ist ein Rätsel, warum dies geändert wurde, denn er trifft den Kern der Arbeit weit genauer als der Titel, unter dem sie veröffentlicht wurde. Es geht nicht primär um die Massenparteien wie Zentrum und Sozialdemokratie, sondern um die bürgerlichen, durchweg rechtsgerichteten Verbände, die diese Parteien bekämpften, ohne s...
Axel Grießmer
Massenverbände und Massenparteien im wilhelminischen Reich. Zum Wandel der Wahlkultur 1903-1912
Düsseldorf: Droste Verlag 2000 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 124); 339 S.; Ln., 39,88 €; ISBN 3-7700-5228-5Geschichtswiss. Diss. Saarbrücken; Gutachter: E. Fehrenbach, R. Hudemann. - Der ursprüngliche Titel dieser Arbeit begann mit den Worten "Massenverbände gegen Massenparteien". Es ist ein Rätsel, warum dies geändert wurde, denn er trifft den Kern der Arbeit weit genauer als der Titel, unter dem sie veröffentlicht wurde. Es geht nicht primär um die Massenparteien wie Zentrum und Sozialdemokratie, sondern um die bürgerlichen, durchweg rechtsgerichteten Verbände, die diese Parteien bekämpften, ohne sich selbst als Partei zu konstituieren und zur Wahl zu stellen. Einen entscheidenden Wendepunkt sieht der Autor in den Reichstagswahlen von 1903, die angesichts veränderter Mehrheitsverhältnisse die bisherige, relativ "überparteiliche" Lobbyistentätigkeit im Reichstag obsolet erscheinen ließ. Daraufhin wandten sich die Massenverbände in ihrer Agitation stärker der direkten Beeinflussung von Wahlen zu und hatten am Erfolg des liberal-konservativen "Bülow-Blocks" in den Wahlen von 1907 maßgeblichen Anteil. Erst das Auseinanderbrechen dieses Blocks führte die Verbände in die "nationale" Fundamentalopposition zur Reichspolitik, die sie in den Jahren vor Kriegsausbruch pflegten. Umgekehrt führte der relative Misserfolg der SPD 1907 auch in dieser Partei zu einer Überprüfung bisheriger Mobilisierungsstrategien und politischen Kurskorrektur. Grießmer gelingt es, ein Bild der rechten Verbände, ihrer Massenagitation und ihrer Mobilisierungserfolge zu zeichnen, wie es bislang in der Forschung so noch nicht vorgekommen ist.
Inhaltsübersicht: I. Auf dem Weg zum politischen Massenmarkt: 1. Das national-bürgerliche Lager unter Mobilisierungsdruck. II. Mittler, Makler und Mandate. Die Wahlarbeit Nationaler Verbände und die Mobilisierung der Massen: 2. Der Alldeutsche Verband und die Parteienkonkurrenz; 3. Massenverband gegen Massenpartei: Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie im Wahlkampf; 4. Neue Agitationsstile und Massenmobilisierung: Die Verschärfung der wahlinhaltlichen Konkurrenz im Spiegel der Auseinandersetzung zwischen Reichsverband und Sozialdemokratie; 5. Verbände wider den "Zentrumsturm": Der Flotten-Verein im Wahlkampf gegen den politischen Katholizismus bei den Reichstagswahlen 1907; 6. Der Rückzug der Nationalen Verbände aus der Wahlpolitik; 7. Die Liberalen und das Aufgebot der Massen.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Axel Grießmer: Massenverbände und Massenparteien im wilhelminischen Reich. Düsseldorf: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13915-massenverbaende-und-massenparteien-im-wilhelminischen-reich_16677, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16677
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA