/ 12.06.2013
Paul Drechsel / Bettina Schmidt / Bernhard Gölz
Kultur im Zeitalter der Globalisierung. Von Identität zu Differenzen
Frankfurt a. M.: IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation 2000; 172 S.; 17,79 €; ISBN 3-88939-516-3Mit ihrer Theorie der Inter- und Transkulturalität wollen die Autoren mehr als nur eine Kulturtheorie anbieten - sie zielen auf einen weitreichenden Paradigmenwechsel. Gerade die Interkulturalität sei ein geeigneter Lackmustest für den Nachweis, dass in der Kulturforschung flächendeckend noch immer wesentlich auf Konzepte zurückgegriffen wird, die eigentlich "im Zeitalter der Globalisierung als überholt angesehen werden müssen" (7). So werde Kultur weitgehend noch immer monadisch aufgefasst - ei...
Paul Drechsel / Bettina Schmidt / Bernhard Gölz
Kultur im Zeitalter der Globalisierung. Von Identität zu Differenzen
Frankfurt a. M.: IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation 2000; 172 S.; 17,79 €; ISBN 3-88939-516-3Mit ihrer Theorie der Inter- und Transkulturalität wollen die Autoren mehr als nur eine Kulturtheorie anbieten - sie zielen auf einen weitreichenden Paradigmenwechsel. Gerade die Interkulturalität sei ein geeigneter Lackmustest für den Nachweis, dass in der Kulturforschung flächendeckend noch immer wesentlich auf Konzepte zurückgegriffen wird, die eigentlich "im Zeitalter der Globalisierung als überholt angesehen werden müssen" (7). So werde Kultur weitgehend noch immer monadisch aufgefasst - ein Konzept, für das Kuhn den Begriff der Container-Kultur geprägt habe. Nicht nur dieses Paradigma, auch die ihm eingelagerte Identitätslogik stellen die Autoren in Frage. Sie habe im Zuge der immer weiteren kulturellen Ausdifferenzierung innerhalb der Nationalstaaten zu deren immer weiterer kultureller Isolation voneinander geführt und trage im Globalisierungskontext nicht länger. Vielmehr sei heute, trotz ihrer scheinbaren Paradoxien, von einer Differenzlogik auszugehen, die auf der Basis der "Gemeinsamkeit der kulturellen Differenzen" (16) die Etablierung von Transkulturen ermöglicht, ohne dabei in die Falle kultureller Nivellierung zu gehen. Mit ihren Ausführungen knüpfen die Autoren vor allem an Klaus P. Hansens Kulturkonzept, an Ulrich Becks Ausführungen zur Globalisierung und an die Medienkulturtheorie von Siegfried J. Schmidt an. Darüber hinaus fließt Wolfgang Welschs Modell der Paradigmen und ihrer Vernetzungen ebenso in die Überlegungen ein wie das radikal konstruktivistische Prinzip der strukturellen Kopplung des Biologen Maturana und Derridas Konzept der Différance.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.42 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Paul Drechsel / Bettina Schmidt / Bernhard Gölz: Kultur im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13445-kultur-im-zeitalter-der-globalisierung_16109, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16109
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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