/ 12.06.2013
Karl-Ernst Schenk / Dieter Schmidtchen / Manfred E. Streit / Viktor Vanberg (Hrsg.)
Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie
Tübingen: Mohr Siebeck 2000 (Globalisierung und Weltwirtschaft 19); VI, 389 S.; Ln., 101,24 €; ISBN 3-16-147435-XDer Band, in dem die Beiträge der Jahrestagung Neue Politische Ökonomie vom Oktober 1999 enthalten sind, schließt einen Zyklus von drei Konferenzen zum Thema Globalisierung ab. Während sich die erste Tagung mit der Beschreibung des Phänomens der Globalisierung und mit dem Wettbewerb politischer Systeme befasste (Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie, Band 17), und die zweite sich Fragen des Unternehmensrechts (insbesondere mit Bezug auf multinationale Unternehmen) widmete (Band 18), stehen in de...
Karl-Ernst Schenk / Dieter Schmidtchen / Manfred E. Streit / Viktor Vanberg (Hrsg.)
Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie
Tübingen: Mohr Siebeck 2000 (Globalisierung und Weltwirtschaft 19); VI, 389 S.; Ln., 101,24 €; ISBN 3-16-147435-XDer Band, in dem die Beiträge der Jahrestagung Neue Politische Ökonomie vom Oktober 1999 enthalten sind, schließt einen Zyklus von drei Konferenzen zum Thema Globalisierung ab. Während sich die erste Tagung mit der Beschreibung des Phänomens der Globalisierung und mit dem Wettbewerb politischer Systeme befasste (Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie, Band 17), und die zweite sich Fragen des Unternehmensrechts (insbesondere mit Bezug auf multinationale Unternehmen) widmete (Band 18), stehen in dem neuen Band unterschiedliche Fragen zur Weltwirtschaftsverfassung im Mittelpunkt. Die von Ökonomen und Juristen verfassten Beiträge untersuchen zum einen die Durchsetzbarkeit und die Gestaltungsmöglichkeiten einer Weltwirtschaftsverfassung im Allgemeinen, zum anderen analysieren sie Teilordnungen der Weltwirtschaft wie z. B. die Möglichkeit und Notwendigkeit eines Weltkartellrechts, die internationale Koordinierung von Wirtschaftspolitik oder die Auswirkung der Globalisierung auf Menschenrechte und Sozialstandards.
Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist insbesondere die allgemeine Stoßrichtung der Argumentation interessant, die gegen das Konzept des souveränen Nationalstaats gerichtet ist. Es soll, so Sideras und Vanberg in der Einleitung, die Annahme eines "Primärrechts" des Staates, "grenzüberschreitende Transaktionen [...] zu regulieren", infrage gestellt werden. Solche Regulierungen entsprechen in den seltensten Fällen den Interessen der Bürger, sondern sind "in erster Linie" das Ergebnis der "Durchsetzung intranationaler Sonderinteressen" (3). Ausgehend von der in der Volkswirtschaftslehre dominierenden individualistischen Verhaltenstheorie stellen sie dem nationalstaatlichen Souveränitätsbegriff ein "bürgerbezogene[s] Souveränitätsverständnis [...]" gegenüber: Die "emanzipierten Bürger [...] als Souveräne [...]" organisieren "sich in territorial und funktional definierten Jurisdiktionen mit klar umrissenen und problemadäquat abgesteckten Kompetenzen zur Schaffung und Durchsetzung geeigneter Regelordnungen" (4, Hervorhebung im Original). Nicht nur einzelne staatliche Institutionen, sondern der Staat insgesamt wird in diesem Verständnis zu einem bloßen Anbieter von Dienstleistungen. Diese These wird in den Beiträgen des Bandes konsequent auf verschiedene Problembereiche angewandt; nicht thematisiert wird jedoch, ob ein Staat, der keine Bürger, sondern nur noch Kunden kennt, überhaupt noch funktionsfähig ist.
Inhalt: Peter Behrens: Weltwirtschaftverfassung (5-27); Kommentar: Peter Bernholz (28-40); Stefan Okruch (41-47); Martin Nettesheim: Von der Verhandlungsdiplomatie zur internationalen Verfassungsordnung: Überlegungen zum Entwicklungsstand des internationalen Wirtschaftsrechts (48-76); Kommentar: Hans Bernd Schäfer (77-80); Karl Ernst Schenk (81-88); Thomas Apolte: Internationale Koordinierung der Wirtschaftspolitik: Beschränkung des politischen Wettbewerbs oder notwendige Konsequenz der Globalisierung? (89-120); Kommentar: Lambert Koch (121-124); Peter Moser (125-128); Charles B. Blankart: Taxes and Choice. Two Views on the Regulation of Tax Competition (129-143); Kommentar: Thomas Straubhaar (144-149); Rupert Windisch (150-156); Jörn Sideras: Systems Competition and Public Goods Provision (157-178); Kommentar: Wolfgang Kerber (179-187) Stefan Voigt (188-190); Andreas Freytag / Razeen Sally: Globalisation and Trade Policy: 1900 and 2000 Compared (191-222); Kommentar: Viktor Vanberg (223-226); Patrick Welter (227-233); Hermann Sautter: Menschenrechte und Menschenrechtsstandards im Globalisierungsprozess (234-265); Kommentar: Lars P. Feld (266-276); Chrysostomos Mantzavimos (277-279); Roland Vaubel: Internationaler Politischer Wettbewerb: Eine europäische Wettbewerbsaufsicht für Regierungen und die empirische Evidenz (280-309); Kommentar: Reiner Eichenberger (310-323); Cay Folkers (324-335); Karl M. Meessen: Das Für und Wider eines Weltkartellrechts (336-355); Kommentar: Andreas Fuchs (356-372); Ernst Röder (373-382).
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 4.43 | 2.262 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Karl-Ernst Schenk / Dieter Schmidtchen / Manfred E. Streit / Viktor Vanberg (Hrsg.): Jahrbuch für Neue Politische Ökonomie Tübingen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13235-jahrbuch-fuer-neue-politische-oekonomie_15859, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15859
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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