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/ 11.06.2013
Pierre Bourdieu

Die männliche Herrschaft. Aus dem Französischen von Jürgen Bolder

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2005; 211 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-518-58435-9
Die 1998 unter dem Titel „„La domination masculine” erschienene Studie ist eine der letzten Veröffentlichungen des 2002 verstorbenen französischen Soziologen und Philosophen Bourdieu. Der Autor versteht die Ungleichheit der Geschlechter in der Tradition des „„habitus” als ein universelles Prinzip, das als System von Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskategorien wirke. In der essayistischen Abhandlung deckt Bourdieu die Mechanismen der Reproduktion der männliche...
Pierre Bourdieu

Die männliche Herrschaft. Aus dem Französischen von Jürgen Bolder

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2005; 211 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-518-58435-9
Die 1998 unter dem Titel „„La domination masculine” erschienene Studie ist eine der letzten Veröffentlichungen des 2002 verstorbenen französischen Soziologen und Philosophen Bourdieu. Der Autor versteht die Ungleichheit der Geschlechter in der Tradition des „„habitus” als ein universelles Prinzip, das als System von Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskategorien wirke. In der essayistischen Abhandlung deckt Bourdieu die Mechanismen der Reproduktion der männlichen Herrschaft und – im Sinne seines Landsmannes Michel Foucault – die Unterwerfungsmechanismen der Gesellschaften auf. Die Macht der Männer über die Frauen werde vor allem in den Institutionen Familie, Schule, Kirche und Staat verfestigt. Insbesondere in der Familie werde die geschlechtliche Arbeitsteilung und das entsprechende Verhalten determiniert. Bourdieu stellt seinen Ausführungen eine von ihm in den 60er-Jahren durchgeführte ethnologische Studie eines nordafrikanischen Stammes voran, „„um das Verhältnis trügerischer Vertrautheit aufzubrechen, das uns mit unserer eigenen Tradition verbindet” (11). Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse der Kontinuität einer männlichen Dominanz überträgt Bourdieu auf moderne, europäische Gesellschaften und legt deren unzählige Rituale, Verhaltensmuster und Strukturen offen. Der Text hat einen sehr fatalistischen Unterton und dem Autor ist vorzuwerfen, dass er die historisch und geografisch unterschiedlichen Kontexte einer Konstanz der Strukturen opfert. Dennoch zeichnet sich die Abhandlung durch eine anspruchsvolle Gedankenführung und bemerkenswerte Beobachtungen aus.
Oliver Trede (OT)
Dr. phil., Historiker/Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Oliver Trede, Rezension zu: Pierre Bourdieu: Die männliche Herrschaft. Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12219-die-maennliche-herrschaft_14588, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14588 Rezension drucken
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