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/ 12.06.2013
Gregor Schöllgen

Die Macht in der Mitte Europas. Stationen deutscher Außenpolitik von Friedrich dem Großen bis zur Gegenwart

München: C. H. Beck 2000 (Beck'sche Reihe 1392); 237 S.; 2., akt. und erw. Aufl.; 12,73 €; ISBN 3-406-45932-3
Der Band ist bei seinem ersten Erscheinen 1992 von der Kritik recht gemischt aufgenommen worden. Jetzt hat Schöllgen den V. Teil, die Betrachtung der Gegenwart, völlig neu geschrieben und um ein 10. Kapitel erweitert. Der Autor bevorzugt eine streng gegliederte Vorgehensweise. Nicht nur zerfällt jeder der fünf Teile in genau zwei Kapitel, sondern jedes der zehn Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, der dann exakt drei Unterpunkte folgen. Die Länge der Kapitel ist aber trotzdem leicht unte...
Gregor Schöllgen

Die Macht in der Mitte Europas. Stationen deutscher Außenpolitik von Friedrich dem Großen bis zur Gegenwart

München: C. H. Beck 2000 (Beck'sche Reihe 1392); 237 S.; 2., akt. und erw. Aufl.; 12,73 €; ISBN 3-406-45932-3
Der Band ist bei seinem ersten Erscheinen 1992 von der Kritik recht gemischt aufgenommen worden. Jetzt hat Schöllgen den V. Teil, die Betrachtung der Gegenwart, völlig neu geschrieben und um ein 10. Kapitel erweitert. Der Autor bevorzugt eine streng gegliederte Vorgehensweise. Nicht nur zerfällt jeder der fünf Teile in genau zwei Kapitel, sondern jedes der zehn Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, der dann exakt drei Unterpunkte folgen. Die Länge der Kapitel ist aber trotzdem leicht unterschiedlich. Es ist kein einfaches Unterfangen, die Außenpolitik von 1740 bis 2000 auf gut 200 Seiten darzustellen. Man muss den Untertitel ernst nehmen; es geht um einzelne Stationen, und es geht lediglich um Außenpolitik, mit einer Konzentration auf die großen Mächte und die Macher der Politik. Damit sind größere Sprünge und Auslassungen gerechtfertigt, die Außerachtlassung jeglicher Theorie der Internationalen Beziehungen und der innenpolitischen Einbindung der Außenpolitik, die ebenso wie sozioökonomische Faktoren nur eine geringe Rolle spielen. Der letzte Teil des Bandes beginnt zu Recht mit dem Fall der Mauer. Die Bewährungsprobe der neuen Macht in der Mitte Europas (9. Kapitel) sieht Schöllgen als bestanden und führt als Beleg vor allem das Balkanengagement der Bundesrepublik an. Das Schlusskapitel schildert die Entwicklung der Dritten Welt und endet mit einem Plädoyer dafür, dass die Industrienationen, und darunter eben auch Deutschland, an Willy Brandt anknüpfen und die Probleme der Südhalbkugel als die ihren ansehen sollen. So findet auch das Titelbild, auf dem neben Friedrich II., Bismarck und Hitler nicht Adenauer oder Kohl abgebildet sind, sondern Brandt, seine inhaltliche Begründung. Inhalt: I. Aufstiege: 1. Sicherheit durch Expansion. Grundfragen preußisch-deutscher Außenpolitik im 17. und 18. Jahrhundert; 2. Abwege. Bismarck, die orientalische Frage und das Optionsproblem in der deutschen Außenpolitik. II. Ambitionen: 3. Der Wille zur Weltmacht. Die deutsche "Weltpolitik" und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges; 4. Umwege. Die Bemühungen um eine weltpolitische Entspannung vor 1914. III. Brüche: 5. Das Ende einer Tradition. Weimars Revisionismus, Hitlers Expansionspolitik und Großbritanniens Reaktion; 6. Auswege. Ulrich von Hassell und die außenpolitischen Vorstellungen des deutschen Widerstandes. IV. Perspektiven: 7. "Kontrollierte Abrüstung". Konrad Adenauer, der Kalte Krieg und die Entspannungspolitik; 8. Einheit durch Europa. Die Bundesrepublik und der KSZE-Prozeß. V. Aufgaben: 9. Bewährungsprobe. Das Ende des Ost-West-Konflikts und die deutsche Außenpolitik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; 10. Herausforderung. Die Macht in der Mitte Europas und die Entwicklung der südlichen Halbkugel.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.212.3112.3122.313 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Gregor Schöllgen: Die Macht in der Mitte Europas. München: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14087-die-macht-in-der-mitte-europas_16876, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16876 Rezension drucken
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